LANGESOMMER: Hebräische Kalligrafie

Foto © Sebastian Weiß

Das hebräische Alef-bet ist das Alphabet des antiken und modernen Hebräisch und eines der ältesten noch verwendeten. In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin gab der Workshop von LANGESOMMER Einblicke in die hebräische Kalligrafie und Schrift. Gemeinsam mit Amichai Green vom Jüdischen Museum, lernten die TeilnehmerInnen, hebräische Buchstaben mit einer Feder zu schreiben und damit Duktus und Schönheit der hebräischen Kalligrafie kennenzulernen.

Foto © Sebastian Weiß

Boris Brumnjak: (Typografische) Schwarz-Weiß-Plakate

Foto © Sebastian Weiß

Boris Brumnjak sammelt seit 15 Jahren leidenschaftlich gerne Schwarz-weiss-Plakate – hat er sich in eines verliebt, tut er alles dafür um es in seine Sammlung aufzunehmen. Das ist nicht immer leicht, erst einmal muss er den Gestalter ausfindig machen oder jemanden finden, der das Plakat besitzt. Für seine Sammlung nimmt er nur Plakate auf, die ihm zu 100% gefallen – ein Jein gibt es nicht. 1/3 seiner Arbeit ist die Recherche der Plakate, wobei der Zufall eine große Rolle spielt. Ob im Alltag, auf Ausstellungsbesuchen, an Flughäfen – das nächste Objekt seiner Begierde könnte hinter jeder Ecke lauern. Im nächsten Schritt erhält der Gestalter oder Besitzer des Plakates einen persönlichen handschriftlich geschribenen Brief mit einer selbstangefertigten Skizze des Plakats.

Bekommt er auf diese Anfrage eine Antwort, macht er sich auf die Reise, denn er scheut keine Kilometer, um den Gestalter auch persönlich kennenzulernen. Denn so erfährt er Dinge, die man nicht in Büchern nachlesen kann. Eines seiner schönsten Erlebnisse sei der Besuch bei Hans Rudolf Bosshard gewesen, der ihn in seine Bibliothek einlud.

Seine Sammlung wurde bereits in Luzern ausgestellt. Dazu hat er einen doch sehr ungwöhnlichen Ausstellungskatalog gestaltet – die Plakate sind nicht fotografisch abgelichtet worden sondern von ihm per Hand nachskizziert.

Christiana Teufel, slanted

Fraser Muggeridge: New Rave Typography

 

Photo: © Gerhard Kassner

The first thing we see when designer and type experimentalist Fraser Muggeridge enters the stage is not himself, but his flashing yellow trousers he wears. It’s stated clear: This is going to be raavvvy!

Move from Regular to Bold, not from Regular to Medium!

“Almost Boring” is the way Fraser Muggenridge describes his early work. Almost boring, that means: Very consistent, very formal, very clean—with only a minor detail that the whole typography relies on to be interesting.

“Almost boring“ Also means: Don’t go crazy. Fraser shows a couple of posters he designed and printed with a Letraset: It’s not the arrangement or variety of fonts used that make the layout interesting, but the imperfection of the printing itself.

Text As Image As Text: Letters are sculptures!

Over the years, this imperfection has become one of Fraser’s bigger passions. His experiments with typography, distortion and letter-bending ended up in a process of image-making: Strong concepts are accompanied by almost sculptured typography. It was not about designing letters anymore, but creating them through mistakes, algorithms and conceptual distortion. Making symbols, strange juxtapositions; moving on and away from Nearly Boring was what it was all about.

If we take a look at the aesthetics of the New Rave movement in pop culture—psychedelic visuals, neon colours, flashing lights and an anarchic energy—we are pretty close to Fraser’s recent projects. With his project “Mega Font”, he experimented with subtle typographic errors: Mixing letters from Times New Roman with Bookman, aligning a typeface by it’s x-height, generating a slight wonkiness which generally is invisible, but hurts the typographer’s eye: This is New Rave. “It’s all about the subtlety”, as Fraser sums it up. “Sometimes, fonts are just too perfect.”

That space before the comma is intentional!

His personal development is best described as “being really mono to being really lairy”. The mistakes you can find in Fraser’s designs all of sudden become incredibly charming, once you realized that breaking rules is fun: “New Rave means everything is possible. You are allowed to do whatever you want to do—It is very expressive.” The first slide he showed us in the beginning; a very tidy, very tame layout of a book page he created a couple of years ago, now compared to his more recent work: “Sooo ravvvy”.

See Fraser Muggeridge’s recent projects at pleasedonotbend.co.uk.

Text: Christoph Rauscher
@christowski

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Gerrit Noordzij

Gerrit Noordzij – legendärer Typograf, Schriftgestalter, Lehrer und Autor. Wer kennt seinen Namen nicht in der Typografie-Welt? Zwischen 1960er bis 1990er Jahren lehrte er an der königlichen Akademie von der bildenden Künste in Den Haag. Sein Buch »The Stroke« ist weltbekannt und immer noch beliebt. Seine Theorie der Schrift ist die Wurzel der heutigen Typografie.

Grzegorz Laszuk and the Raiders of the Lost Things

Foto © Gerhard Kassner

First Things. Last Things. Fuck Things – Ein kleines Interludium über Signal und Wirkung.

Sie sind gelandet, jetzt sind sie da. In mehr und weniger eng anliegenden silberfarbenen Anzügen. Es geht um Aliens und was sie in der Zukunft gefunden haben werden. Zeichen werden gefunden sein, Signale. Es gibt außerdem eine Nebelmaschine in allem was auf uns zukommt.

DO YOU COPY? WHAT DO YOU SEE? EMPTINESS.

Emptiness übersetzt sich mit Leere und Inhaltslosigkeit. „Emptiness as a human condition is a sense of generalized boredom,social alienation and apathy.“ (sagt Wikipedia dazu)
Also, es wird sich so zugetragen haben werden: Aliens landen auf der Erde. Die Erde ist dann leer. Und das einzige das sie gefunden haben werden, ist das Manifest „First things First“ von Ken Garland. Der wiederum hat letztes Jahr die TYPO eröffnet und hatte vor fünfzig Jahren die großartige Idee, sich als Designer nicht der Werbung zu verpflichten, sondern gesellschaftlicher relevanteren Dingen. Deshalb ist er auch der MASTER in der Videoprojektion auf der Bühne. Deshalb liest nicht nur er aus seinem Manifest, nein, es wird auch noch sehr operesque synchrongesungen.
Warum das alles? Weil es sich hier um eine Preview handelt, für die eigentliche Premiere des Stücks „First Things, Last Things“ von Grzegorz Laszuk and the Raiders of the Lost Things. In Warschau. Im November. Das sollen wir uns merken.
Und warum noch? Weil es sich vielleicht auch um die ein oder andere Ebene von Relevanz gehandelt haben könnte. Morgens um elf auf einer internationalen Design-Konferenz.
Die Frage steht, klingt und bleibt:

CAN LETTERS CHANGE THE WORLD?
LETTERS CREATE THE SHAPE OF WORDS.
WORDS TELL US ABOUT IDEAS.
IDEAS ARE THE MIRROR OF DREAMS.
DREAMS CAN CHANGE THE WORLD.

CAN LETTERS CHANGE THE WORLD?

Das könnte man verstanden haben werden. Für alle anderen gibt es am Ende sehr viel Glitzer und in der Reihe hinter mir folgende Unterhaltung…
Boy: You hated it, right?
Girl: I don’t know. I’m mostly interested in the comments on it.
Boy: Well, I don’t know what this was all about but I thought it looked really cool.

Nachdenkend, über die innere und äußere Leere, die sich breit gemacht haben wird, während und nach uns, kann der Saal verlassen werden. Kann es weitergehen im Programm.

Text: Ivana Rohr

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Boris Kochan: Design and Identity

Boris Kochan ist Unternehmer, Büchermacher, Berater und Vorsitz der tgm (Typographische Gesellschaft München). Die tgm wurde 1890 gegründet und viele namhafte Persönlichkeiten der Branche waren in der tgm organisatorisch und/oder inhaltlich aktiv, u.a. Paul Renner, Jan Tschichold, Günter Gerhard Lange, Hans Rudolf Bosshard, Kurt Weidemann.

David Carson: Neue Wege

Foto © Gerhard Kassner

Der Sunny Boy from Southern California ist back!

Zuerst – Stille, große Fragezeichen auf David Carsons Gesicht – die gute deutsche Technik scheint nicht zu funktionieren … »Nein, wir haben hier Computer made in California« – so ein Techniker, der sich alle Mühe gab, das Problem zu beheben.

»I need another beer!«

Mit etwas Unterhaltung unser netten Moderatorinnen wurde die Zeit mit Frage-Antwort-Spielen überbrückt … und mit dem gesamten Publikum ein Geburtstagsständchen gesungen für Moderatorin Simone, die sich sehr drüber freute.

Signs on the road

Dann geht es los. David Carson zeigt, was ihn inspiriert. Während er im Auto sitzt oder durch die Straßen läuft, begegnen ihm Schilder –  absurd große Wertetafeln mit Leuchtschrift „Drive-through Liquor Store“ bis zu kleinen verwitterten Türen von Blechhäusern oder Klingelschilden. David zeigt uns Eindrücke aus der Ukraine, an Wänden aufgemalte Schilder, die ihn inspirieren. Aber auch Kuba – Kinder die auf einem Müllberg unverrottbarer Plastikflaschen und -teile spielen und ihn in ihren Bann ziehen. Selbst beim Autofahren hält er seine Kamera bereit und fängt Bilder ein, die für ihn eine Geschichte erzählen – riskiert dabei gefährliche Unfälle.

Dann ein Gegenbeispiel: Im Land der Warnhinweise findet Carson häufig Beispiele bürokratisch verordneter Schilder, die von Weitem gut lesbar sind, jedoch niemand liest.

© Sebastian Weiß

»Legibility doesn’t guarantee communication.«

Kommunikation starte vor dem Lesen, wenn man sich angesprochen fühlt durch das Design des Plakats, etc. und animiert wird, neugierig die Botschaft drauf zu lesen.

Fast 20 Jahre nach »The End of Print« unterscheidet sich David Carsons Arbeit heute kaum vom Grunge-Stil von damals, erschwerter Lesbarkeit und collagierter Typografie, die ebenso populär war wie umstritten. Als Idol eines jeden Studienanfängers des Faches Grafik Design will man so sein wie er: alle typografischen Regeln brechen – die Pubertät des Designers. David Carson scheint hinsichtlich seiner Arbeitsmethode nicht erwachsen werden zu wollen, sich irgendwelche Regeln aufzwingen lassen oder gar Style Guides befolgen.

»Never snap to grids or use guide lines!« so sein Motto.

Heute kommen neben Musik-Labels, Surfmagazinen und -festivals häufig große Auftraggeber auf ihn zu, die angezogen sind von der Coolness David Carsons Stils. Verstaubte, spießige Unternehmen möchten ihr Image auffrischen. Für Chrysler beispielsweise gestaltete David Carson massenhaft Entwürfe, nahm sich die Freiheit das Logo zu dekonstruieren – bis zur Unkenntlichkeit. Schwer für einen solchen Konzern zu akzeptieren. Unzählige Runden wurden gemacht, letztendlich keine Arbeit realisiert.

»Keep failing with Clients.«

Gestaltung ist für David Carson ein Prozess. David zeigt uns massenhaft Entwürfe als Video abgespielt zu funky Surfermusik. Für das National Theater machte er hunderte Entwürfe, alles »Richtungen«, nicht ausgearbeitet. Sie muten an wie Kunstwerke, grob in Photoshop illustrierte und collagierte Buchstaben. Der Auftraggeber entschied sich für eines davon, welches ohne ausgearbeitet worden zu sein umgesetzt wurde.

Carsons Motto: Je mehr der Computer das Arbeiten bestimmt, desto subjektiver sollte man als Designer gestalten. Der Rechner sollte nicht die Entscheidungen übernehmen, sondern der Gestalter.

Im Fazit war der Talk von David Carson keine Überraschung, es scheint die Zeit Stil gestanden zu sein und die Arbeiten bekommen einen leichten Retro-Glanz – also: »Keep paddling!«

Text: Christine Wenning

Foto © Gerhard Kassner

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