© Sebastian Weiß

Ulrike Damm: Wie sieht Sprache aus?

16. Mai 2014

Designerin Ulrike Damm beschäftigt sich vor allem mit freien Kulturprojekten. Mit Studentengruppen in verschiedenen Ländern hat sie acht Sprachen analysiert und dafür – über Ländergrenzen hinweg verblüffend einheitliche – Bilder gefunden. Zu Anfang sagt sie erst mal gar nichts.

Ulrike Damm: Wie sieht Sprache aus?

© Sebastian Weiß

Designerin Ulrike Damm beschäftigt sich vor allem mit freien Kulturprojekten. Mit Studentengruppen in verschiedenen Ländern hat sie acht Sprachen analysiert und dafür – über Ländergrenzen hinweg verblüffend einheitliche – Bilder gefunden. Zu Anfang sagt sie erst mal gar nichts.

Wir hören Chinesisch vom Band, einen relativ langen, offenbar vorgelesenen Text.

„Man kann sich auch Sprachen annähern, wenn man sie nicht beherrscht.“

Dass das eine Art Resümee ist, stellt sich erst später heraus. Als nächstes ertönt Finnisch. Dann eine Sequenz in einer (mir auch vom Klang her) unbekannten Sprache. „Sie können sich nicht vorstellen, wie oft wir diese Sprachen gehört haben,“ berichtet Ulrike Damm. Den Klang unserer eigenen Sprache können wir eigentlich nicht beurteilen; wir können nicht hören, wie unsere Sprache klingt: „Für Italiener ist es so, als würden die Deutschen den ganzen Tag schimpfen.“ Für uns natürlich nicht. Damm hat mit acht Muttersprachlern Aufnahmen des gleichen Textes in deren Sprachen erstellt und diese Aufnahmen zunächst phonetisch analysiert. Schnell stellte sich heraus, dass man den Klang eigentlich nur hören kann, wenn man sich gänzlich frei macht vom Inhalt. Oder sowieso gänzlich unbeeinflusst davon ist, weil man nichts versteht. Außerdem spielt eine große Rolle, welche „Klangmusik“ uns mit unserer eigenen Sprache, in der wir leben, umgibt. Das beeinflusst natürlich auch, wie wir eine andere Sprache wahrnehmen.

Warum ist das alles überhaupt interessant?

„Wir sind keine Wissenschaftler – aber wir sind Designer. Sind wir in der Lage, den Klang der jeweiligen Sprache zu visualisieren und Bilder dafür zu finden?“ Das untersuchte Damm erst in Russland mit Design-Studenten, dann in Deutschland (Dessau). Mit den jeweiligen Gruppen hat sie vor Ort Chinesisch angehört und erste einfache Fragen geklärt.

Die Distanz verlieren

Die Russen waren zunächst schüchtern in der Beantwortung. Sie haben sich kaum getraut, das Chinesische nachzumachen. Ulrike Damm führt uns das umso freudiger und sehr gekonnt vor. Daraufhin haben sich – kein Wunder – auch die Russen getraut. Wer hat nicht als Kind zum Beispiel Französisch zu intonieren versucht und sich über den Klang amüsiert? Was sind das für witzige Geräusche? Wie machen die das überhuapt? Ob englisches „th“ oder die spanischen Zischlaute: Jede Sprache hat ihre klanglichen Spezifika. Durch das Nachahmen verstehen wir, „was die da machen mit ihrem Mund“. So ging es dann auch Ulrike Damms Studentengruppen, als sie das Chinesische klanglich nachahmten. Der schöne Effekt: „Die Distanz geht verloren.“ Das Fremde und das Befremden verlieren sich.

Wenn sich die ganze Gruppe einer Erkenntnis sicher war, hat Damm das als Ergebnis festgehalten. Die experimentellen Schritte gingen weiter damit, Formen für die Sprachen zu finden, diese Formen auf einer Linie anzuordnen, also für jede Sprache eine Art Notenlinie zu beschreiben. Verblüffenderwiese traten in den Linien der deutschen und der russischen Studentengruppe sehr ähnliche Formen für die gleichen Srpachen auf – obwohl die Gruppen natürlich separat und weit voneinander entfernt arbeiteten. So entstand beim Finnischen zum Beispiel „immer dieses Abgebrochene“. Das ist auf unterschiedliche Weise immer ähnlich angekommen bei den aufmerkam dem Klang Lauschenden.

Und dann das Deutsche

„Man muss da schon sehr stark sein“, fasst Damm ihre ganz persönlichen Erfahrungen zusammen, „also ich habe da schon mal gesagt, ,nein, das ist nicht so, nicht, das können Sie so nicht machen‘!“ Und wieder kommen ihre ausdrucksstarke Mimik und ihre Freude daran zur Geltung.

Als nächstes – und auch hier musste sie tapfer sein, als Deutsche und als kulturell offene Person – wurden für die Sprachklänge Begriffe gefunden. Da gab es das Symphonieorchester für das Deutsche, den Volkstanz für den Klang von Spanisch, das Streichquartett als Allegorie für Chinesisch, das Bild des Straßenmusikanten für Französisch. Inwieweit kulturelles Vorwissen oder auch Vorurteile hier eine Rolle spielen, sei dahingestellt, war zum Teil allerdings sehr offensichtlich – so auch darin, wie die Deutschen in Dessau (geprägt von Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern?) dem Russischen etwas Bedrohliches zuschrieben und sich davon auch nicht abbringen ließen. Sie konnten diese Vorstellung oder dieses Bild („dass da jemand im Busch sitzt“) nicht von ihrem Klangempfinden trennen.

Die Suche nach den Farben erwies sich als unbelasteter und im Ergebnis verblüffender: So wählten die beiden Gruppen nahezu identische Farben für die untersuchte Sprache aus, in dem Fall für Chinesisch. Auch die Collagen aus Farben und Formen glichen sich sehr. Beim „visuellen Kulturvergleich“ (Damm greift den Begriff aus Indra Kupferschmids Vorrede auf) zeigt sich das Deutsche in Form säuberlich angeordneter Rechtecke: „Ich stehe dazu“, so Damm, „wir sind ja in der ganzen Welt angesehen auch wegen dem“.

Der vorgelesene Testtext übrigens stammt von Dostojewski, einem ihrer Lieblingsautoren; es ist der letzte Abschnitt aus „Der Spieler“. Doch „wir reden nicht über Länder, wir reden über Sprachen,“ schärfte Damm den Studierenden ein, „denkt jetzt nicht an Putin!“ Das erwies sich als sehr schwer: „Man hört ja doch immer das Wissen mit, die Vorurteile – versuchen Sie mal, nur zu HÖREN.“

Manchmal ist besser, man weiß weniger

Ulrike Damms Erfahrung mit diesem Sprachprojekt: „Es ist schwer, wenn man etwas weiß, davon Abstand zu nehmen und etwas ganz Neues zu entwickeln“. Bei Arabisch sieht man in den Klangbildern Sand und fast erwartungsgemäß schnörkelige Ornamente. Klingt die Sprache wirklich so oder visualisieren wir da unsere Vorstellungen von der jeweiligen Kultur? (Interessantes Wort übrigens, „Vor-Stellungen“.)

Die Bilder seien natürlich kein Urteil über eine Sprache (oder gar eine Kultur), betont Damm. Wichtig ist ihr die Methode, sind ihr nicht die Bilder. Es geht hier nicht um Bewertungen. Deshalb macht sie Witze über die Bilder, möchte Leichtigkeit in der Betrachtung. Dennoch verblüffend: das einhellig viele Gelb für das Spanische sowohl von der deutschen als auch der russischen Gruppe. Das freie Gewirbel in der Visualisierung von Französisch, ebenfalls  bei beiden Gruppen.

Als nächstes wählen die Studierenden aus einer großen Sammlung von Begriffen jeweils fünf für eine Sprache aus. Hier wird es (fast erwartungsgemäß) wieder vorgeprägter, klischierter. Und doch gibt es Überraschungen – eine besonders schöne übrigens bei den fünf Begriffen für das Deutsche, von der russischen Gruppe ausgewählt: eindrucksvoll, rhythmisch, stark, hart – und schön. „Das Deutsche klingt so“, sagten die Russen.

Vielschichtig und beunruhigend

Das Russische wurde von der Dessauer Gruppe mit folgenden Begriffen belegt: weich, vielschichtig, beunruhigend (!), schwermütig, wohlklingend. Viel Stoff für Diskussion. Das Hauptanliegen war Damm die Auseinandersetzung: „Wir reden über Sprache. Wir versuchen zu verstehen, etwas für uns neues, eine Öffnung herzustellen. Deshalb habe ich gesagt, ich halte es aus, alles“ – auch wenn sie zwischendurch, wie sie lachend zugibt, „eigentlich beleidigt“ war. Vielleicht sind ja auch Spanier beleidigt, wann man den Klang ihrer Sprache als „kompliziert“ oder „hastig“ empfindet?

Am Ende der Workshops war überhaupt niemand beleidigt. Ganz im Gegenteil. Die Teilnehmer machten die Erfahrung: Ich liebe alle Sprachen! Am Anfang hatten sie sich durchaus gefragt: Warum soll ich Arabisch hören, ich habe doch gar nichts damit zu tun … und dann diese fundamentale Offenheit. Es kamen begeisterte Berichte darüber, so Ulrike Damm, dass etwa in der U-Bahn ein Finne saß, dem man begeistert gelauscht habe.

Ihr Fazit: „Als Designer können wir Dinge erschließen – so dass auf einmal so eine Aussage kommt“. Für sie ist das „Toleranzerziehung“, „Öffnung“. Als nächstes geht sie nach Frankreich und eröffnet den französischen Teilnehmern neue Hörerfahrungen. Nach Abschluss ihres Sprachprojekts möchte sie dazu eine Ausstellung machen – vielleicht ja auf einer kommenden TYPO.

Um so könnte man den Satz vom Anfang auch umdenken wie folgt: „Man kann sich auch anderen Menschen (Kulturen,  Völkern, …) annähern, wenn man sie nicht beherrscht“.

 

Sonja Knecht ist Director Text bei Edenspiekermann.

Foto © Sebastian Weiß

Frank Grießhammer: 25 Jahre digitale Schriften

16. Mai 2014

Frank Grießhammer, früher FontShop International in Berlin, machte seinen Type & Media Master an der KABK Den Haag und studierte Grafikdesign an der HBK Saarbrücken. Derzeit arbeitet er im Adobe Type Team im kalifornischen Santa Clara.

Frank Grießhammer: 25 Jahre digitale Schriften

Foto © Sebastian Weiß

Frank Grießhammer, früher FontShop International in Berlin, machte seinen Type & Media Master an der KABK Den Haag und studierte Grafikdesign an der HBK Saarbrücken. Derzeit arbeitet er im Adobe Type Team im kalifornischen Santa Clara.

Als die Moderatorin zu Beginn des Vortrags fragte, was er jeden Tag mache, antwortete er sofort „Arbeit“. Als sie fragte, was er in kommenden zehn Jahren erreichen will, überlegte er und antwortete nach einer Weile „Urlaub“.

Auf der TYPO stellte er seine Lieblings-Fonts aus 25 Jahren Adobe Schriftgeschichte vor.

Einer der frühesten Adobe-Fonts in PostScript-Technologie ist „Sonata“ von Cleo Huggins, aus dem Jahr 1985. Der Font ist keine Textschrift, sondern ein spezialisierter Font zum setzen von Notenzeichen.

Der zweite In-House-Font ist „Carta“ aus dem Jahr 1986, von Lynne Garell. Auch dieser Font besteht nicht aus Buchstaben, sondern aus Symbolen. Carta ist eine Sammlung von Zeichen für Landkarten und Stadtpläne.

1989 wurde die „Adobe Originals“-Serie begonnen, in der es bis heute genau 100 Schriftfamilien gibt. Weil es damals großen Bedarf nach hochwertigen digitalen Schriften gab, startete Sumner Stone das Projekt mit den Designern Carol Twombly und Robert Slimbach. Das Ziel des Projekts war, neue hochwertige Schriftfamilien für Adobes Softwareprodukte zu kreieren. Der Name „Adobe Originals“ ist bis heute ein Zeichen für Qualität.

Danach zeigte Frank mehrere eher unbekanntere Fonts aus der Reihe, und erzählte jeweils einige bemerkenswerte Anekdoten. Jim Parkinsons Schrift „Mojo“ zum Beispiel, ein typisches Alphabet bekannt aus dem San Francisco der 60er Jahre, an die er keine großen finanziellen Erwartungen knüpfte. Doch überraschenderweise bekam Jim tatsächlich ziemlich viel Geld von Adobe: Bei jedem Kauf des sehr erfolgreichen Adobe Type Managers bekam Jim eine Lizenzgebühr, da seine Schrift als Teil des Produkts mitgeliefert wurde.

Abschließend stellte Frank seinen eigenen Schriftentwurf „Source Serif“ vor, ein Open Source-Projekt, das auch gleichzeitig die 100. Schrift der Adobe Originals-Reihe ist.

Am Ende gab es einige Fragen aus dem Publikum und der Vortrag endete mit dem Gefühl, dass man noch viel mehr Schriften hätte sehen können. 20 Minuten sind einfach nicht genug für 25 Jahre Schriftgeschichte.

Hier ist die Liste der Fonts, die Frank im Rahmen seines Vortrags zeigte:

– Conga Brava, Mezz und Studz von Michael Harvey

– Jimbo, Mojo und Montara von Jim Parkinson

– Galahad und Say Cheese (Linotype) von Alan Blackman

– Shuriken Boy und Flood von Joachim Müller-Lancé

– Adobe Sans und Adobe Serif von Jim Wasco und Fred Brady

– Source Sans von Paul D. Hunt, und Source Serif von Frank Grießhammer

Mehr zu Source Serif auf dem Typekit-Blog, mehr zu Adobe Sans im “Adobe Sans MM” Flickr-Pool.

Die Typekit Blog URL ist: http://blog.typekit.com (der „Source Serif“-Blog-Post ist noch nicht online, aber bald).

Der Flickr-Pool for Adobe Sans: https://www.flickr.com/groups/adobesansmm/

 

Ich möchte mich hiermit bei Frank für seine Unterstützung und Geduld herzlich bedanken!

 

フランク・グリースハマー(Frank Grießhammer)

彼はグラフィックデザインをHBKザールブリュッケンで学び,KABKデンハーグのタイプアンドメディアで修士を修め,ベルリンのFontShop Internationalでかつて働いていた.そして現在カリフォルニアのサンタクララでアドビのタイプチームにて働いている.

講演の始めに司会者の女性が簡単なことを質問すると,毎日していることは?という質問に彼は「仕事」と即答した.なかなかの仕事中毒かのようであるが,その次の質問には今後10年で成し遂げたいものという質問には「休暇」と答え,会場の笑いを誘っていた.

今回の講演では,今では100もある25年目を迎えたAdobeのフォントファミリーの中で,あまり有名ではない,しかし彼のお気に入りのフォントを紹介してくれた.

一番始めのフォントは1985年クレオ・ハッギンス(Cleo Huggins)作のSonata.このフォントは音符記号であって文字ではなかったのだが,今日のフォントの元となるPostScriptテクノロジーを使用し,初めてAdobeによって開発されたフォントとなった.

2番目のハウスフォントは1986年,リン・ガレル(Lynne Garell)作のCarta.これも文字ではなく地図用の記号やシンボルの集合フォントだった.

1989年にはついにAdobe Originalというプロジェクトがサムナー・ストーン(Sumner Stone),キャロル・トゥウォンブリー(Carol Twonbly),ロベルト・スリムバック( Robert Slimbach)氏らによって新しいフォントファミリーのシリーズを制作するために始まった.今では丁度100のフォントファミリーが存在する.当時は高品質なデジタルフォントがまだ少なく,大きな需要があったため始まり,今日ではAdobe Originalと言えば,文字のクオリティーを示す印ともなっている.

その後,グリースハマー氏はこれらの歴史の中からあまり知られていないフォントを説明していった。例えば,ジム・パーキンソン(Jim Parkinson)のフォントMojoは,典型的なサンフランシスコ60年代の文字であり,作者本人はお金のことなど一切度外視していたが,意外にもAdobeから入金されてくることに驚いた.それはAdobe Type Managerというソフトを買うと彼の元にライセンス料が入ってくるという仕組みになっていたからだった.

最後に彼のオープンソースタイププロジェクトであるSource Serifを紹介した.これはAdobe Originalの丁度100個目の記念すべきフォントとなっている.

講演の後には質問タイムがあり,確実にマニアしか知り得ないようなAdobeの知られてないフォント談義を交え終了となった.講演はたったの20分しか時間がなく会場の誰もがもっと詳しく聞きたがっていたが,残念ながらスケジュールの都合上惜しまれながら終了した.

以下にその他の紹介されたフォントのリストを掲示しておきます.

-マイケル・ハーヴェイ(Michael Harvey)のConga Brava, Mezz, Studz

-ジム・パーキンソン(Jim Parkinson) のJimbo, Mojo, Montara

-アラン・ブラックマン(Alan Blackman)のGalahad, Say Cheese (Linotype)

-日本では知っている人も結構いるJoachim Müller-LancéのShuriken BoyとFlood.

-Jim BascoとFred BradyによるAdobe Sans (Flickrの彼のページにAdobe Sans使用例写真あり)とAdobe Serif.

-Paul D. HuntによるAdobe初めてのオープンソースフォントSource Sansとグリースハマー氏自らのフォントSource Serif.

その他より詳しく知りたい方はTypekit Blog: http://blog.typekit.comやAdobeのサイト,グリースハマー氏のFlickrサイト:https://www.flickr.com/groups/adobesansmm/をチェックしてみることをお勧めします。

Text: Toshiya Izumo

Foto © Sebastian Weiß

Foto © Sebastian Weiß

Katarzyna Matul: Die Polnische Schule der Plakatkunst

16. Mai 2014

Katarzyna Matul spricht über die Sozialistische Ära Polen und der Polnischen Plakatbewegung bis 1989, die geprägt war von handgemachten Plakaten, gemalten Schriften, Kollagen und Drucken. Die Stars Henryk Tomaszewski, Tadeusz Trepkowski, Jan Lenica erlangten in den Nachkriegsjahren internationales Ansehen und bestimmten bis 1989 das polnische Grafik Design.

Katarzyna Matul: Die Polnische Schule der Plakatkunst

Foto © Sebastian Weiß

Katarzyna Matul spricht über die Sozialistische Ära Polen und der Polnischen Plakatbewegung bis 1989, die geprägt war von handgemachten Plakaten, gemalten Schriften, Kollagen und Drucken. Die Stars Henryk TomaszewskiTadeusz TrepkowskiJan Lenica erlangten in den Nachkriegsjahren internationales Ansehen und bestimmten bis 1989 das polnische Grafik Design.
Zahlreiche Mythen deckt Katarzyna Matul in ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung der polnischen Schule der Plakatkunst auf. z.B. dass die vermeintliche Narrenfreiheit, die das sozialistische Regime den Künstlern gewährte nicht der Wahrheit entspräche – die Plakatkünstler ebensowenig frei waren wie Autoren und öffentlich kritisiert wurden für gesellschaftskritischer Meinungsäußerung in ihren Motiven. Die Freiheit der Künstler würde eher geduldet und für die Politik weitgehend als nicht gefährdendes Kulturgut empfunden.
Desweiteren stellte sie die These auf, dass die Plakatkünstler der Polnischen Schule für Plakatkunst nicht frei von Indoktrinierung waren, selbst zu Werkzeugen der Propaganda des geschönten Sozialismus wurden, sobald sie mit kulturellen Plakaten beauftragt waren. Echte Regime- und Systemkritik gab es hier nicht.
Die jungen Plakatdesigner aus Polen, aber auch der weltweite Trend des „back to the roots“, handgemachtem Grafikdesign sind für Katarzyna Matul kaum abzugrenzen. Inspiration ist überall, so Katarzyna Matul, Zwischenformen fließend.
Text: Christine Wenning
Ein Beispiel von Jan Lenica:
Ein Beispiel heutiger polnischer Plakate:
Foto © Sebastian Weiß
Typo Berlin 2014 "Roots"

Type Systems of MuirMcNeil

16. Mai 2014

Paul McNeil and Hamish Muir gave a very detailed and colorful overview of what it means to make type systems. They also took the audience through range of outputs, including books full of unique glyph creations to bright, colorful, geometric posters for exhibition openings. Think of this as typographic contemporary art.

Type Systems of MuirMcNeil

Paul McNeil and Hamish Muir gave a very detailed and colorful overview of what it means to make type systems. They also took the audience through range of outputs, including books full of unique glyph creations to bright, colorful, geometric posters for exhibition openings. Think of this as typographic contemporary art.

The hightlight of their poster creations was the large set they designed in 2011 based on the original Wim Crouwell exhibition which had taken place 1968. Each poster contains big and small variations of color, shapes, and patterns. While clicking through a large set of these posters Hamish declared they created over 230 poster designs in total.

Paul gave a very detailed review of some of the typefaces he has designed. Core Dissection is a system where each weight has different portions of letters removed. A user can layer weights upon each other to get complete characters but with segments of different color. Flip is a type system where each weight contains glyps rotated on different axis’.

One of their type system creations, FF ThreeSix, is something they designed to maintain a certain geometric aesthetic yet still usable at small sizes. Have a look and play around with FF ThreeSix on the Next FontShop.com.

Text by Michael Pieracci

Foto © Sebastian Weiß

Andre Jay Meissner: The future in digital layout

16. Mai 2014

Andre Jay Meissner introduced us to three new kick-ass features in CSS. As a developer at Adobe, he is contributing new features to your browser and educating designers on how to use them.

Andre Jay Meissner: The future in digital layout

Yesterday Andre Jay Meissner introduced us to three new kick-ass features in CSS. As a developer at Adobe, he is contributing new features to your browser and educating designers on how to use them.

 

First up in his demo: CSS Regions

Something a lot of us know and love from working in InDesign and print: connecting content regions.

It means flowing content from one container into another. CSS regions not only give you more control over your layout in your browser, they also let you separate your semantic markup from your layout. You no longer need to mess with the order of your content to position it correctly on your page, simply push it into the desired visual container.

You can implement regions with a few lines of CSS, first defining your content source and then the element to receive the content:

.content {flow-from: my-flow;}
.visual-container {flow-into: my-flow;}

Regions are currently supported by Webkit Browsers and Internet Explorer 10+. Learn more here.

 

Second bleeding-edge feature: CSS Blending

Finally a feature every designer must have desired now and then: mixing color and transparency values of two elements.

Simply implemented with the property “blend-mode”, you can apply all the blend modes you know and love from Photoshop, like multiply, overlay, darken, lighten or color-dodge.

CSS example:

img {mix-blend-mode: multiply;}

Find more on usage and support here.

 

Last but not least: CSS Shapes

Shapes let you wrap text around and inside any shape, be it a classic rectangle, a circle or even any image.

You no longer need to fake shapes by manipulating rectangles beyond recognition.

Apply the outside content wrap by using “shape-outside”. Or even wrap content inside any shape using the “shape-inside” property.

More how-tos and browser support information here.

 

Play around with the newest CSS functionalities by enabling the “New Web Features” palette in Adobe Edge Tools & Services.

Be aware that these features might no yet be available in currently released browser versions, but that shouldn’t stop you from experimenting and pushing them.

And never forget testing on as many real devices as you can get your hands on, e.g. in an open device lab.

Find the one closest to you here and donate your old devices here.

Text: Marlene Schufferth

© Gerhard Kassner

Holm Friebe: die Stein-Strategie – von der Kunst, nicht zu handeln

16. Mai 2014

Holm Friebe eröffnet die TYPO Berlin 2014. Allein das ist eine Meldung wert – und Kennzeichen dafür, dass die TYPO längst nicht mehr „nur“ Typografie und Grafik-Design umfasst, sondern mehr denn je auch die Gestaltung der eigenen Arbeits- und Lebenswelt, das Ineinandergreifen der diversen Ebenen, auf denen wir handeln (oder auch nicht).

Holm Friebe: die Stein-Strategie – von der Kunst, nicht zu handeln

Holm Friebe Foto © Gerhard Kassner

Holm Friebe eröffnet die TYPO Berlin 2014. Allein das ist eine Meldung wert – und Kennzeichen dafür, dass die TYPO längst nicht mehr „nur“ Typografie und Grafik-Design umfasst, sondern mehr denn je auch die Gestaltung der eigenen Arbeits- und Lebenswelt, das Ineinandergreifen der diversen Ebenen, auf denen wir handeln (oder auch nicht).

Mit derlei Themen hat sich Holm Friebe – zusammen mit Leuten wie Kathrin Passig und Sascha Lobo – schon frühzeitig auseinandergesetzt. Sein Bruder Jens tut das auf musikalischem Wege (Albumtitel wie „Abändern“ oder „Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert“ sprechen Bände). Holm Friebe hat Begriffe wie den der Digitalen Bohéme mitgeprägt, den Buchtitel „Wir nennen es Arbeit“ zum geflügelten Wort werden lassen und Powerpoint-Karaoke erfunden. Kurz: Der Mann ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So auch hier – wieder mal. Bei der TYPO 1998 hat er David Carson interviewt, bei der TYPO 2006 Powerpoint-Karaoke veranstaltet. Nun ist er bekennend stolzer Key-Note-Speaker.

Sein Ausgangspunkt: „Alle rühren heute die Propaganda-Trommel für Change und Innovation – wir sollen alle aktiv auf den Wandel einsteigen“. Slogans wie „innovate or die“, „disrupt or be disrupted“ versetzen uns in „permanenten Vollalarm“. Angefangen habe das bereits in den 90ern mit Propagandisten wie dem US-amerikanischen Autor Spencer Johnson und seiner „Mäuse-Strategie“. Dieses „unglaublich einfältige Buch“ habe sich unglaublich erfolgreich in den USA, nämlich über 20 Millionen mal verkauft und offenbar einen Trend in Sachen Tiervergleiche losgetreten: Bald gab es unter anderem „Das Pinguin-Prinzip“, „Die Schaf- “ und „Die Kakerlaken-Strategie“. Dem setzt Friebe nun als „Grabstein oder Schlussstein“ seine „Stein-Strategie“ entgegen. Wumms.

Nicht handeln, obwohl man handeln könnte

Das allerdings ist „nicht nur parodistisch gemeint“. Aktionismus sei unser Problem. Es geht Friebe nicht um Muße und Müßiggang, sondern um Nichthandeln. Denn nicht handeln kann nur der, der handeln könnte, wenn er denn wollte. Diese Erkenntnisse sind mehr als 1.000 Jahre alt und wurzeln im Taoismus und Konfuzianismus. Auch hier schon war das Nicht-Eingreifen oder auch Handeln durch Nicht-Handeln philosophische Leitlinie, wie in vielen Kulturen. So besagt ein afrikanisches Sprichwort: „Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht“ – ein kleiner Querverweis auf die Graswurzeln, die Roots der TYPO und das diesjährige Konferenzthema.

Welche Beobachtungen lösen Friebes Besorgnis aus? Falls man bei einem so unaufgeregt wirkenden Redner Besorgnis mutmaßen darf – der Mann ist selbst das beste Beispiel dafür, dass innovative Überlegungen ganz unaufdringlich daherkommen können. „Es wird so oft etwas getan, nur damit etwas getan wird.“ Es gäbe so viel an „simulierter oder schlecht fingierter Arbeit“, sagt er.

Ein gewisser Parkinson (ohne Bezug zur gleichnamigen Krankheit) hat das bereits in den 1950er Jahren als Parkinsons Gesetz formuliert: Jede Arbeit dehnt sich so lange aus, bis sie die dafür vorgesehene Zeit vollständig ausfüllt (was für ein gruseliges Bild). Nachweislich gilt das bis heute: Eine Befragung unter 2.000 deutschen Angestellten hat ergeben, dass zwei von fünf Arbeitstagen mit folgenlosen Meetings und sinnlosen E-Mails vertan werden. Das heißt im Umkehrschluss: Wir werden produktiver, wenn wir „uns weniger an der Bullshit-Folklore beteiligen“.

Der Mann spricht sanft so harsche Worte aus. Und bringt noch härtere Beispiele: So habe ein gewisser Kurt von Hammerstein-Equord seine Offiziere in vier Lager eingeteilt: faul, fleißig, klug und dumm. Je nachdem, wo auf seinem Fadenkreuz er sie jeweils ansiedelte, teilte er ihnen Aufgaben und Funktionen zu, wo sie möglichst nützlich sein oder möglichst wenig Schaden anrichten konnten. Das könnte sich auch heute bewähren, denn „Aktionismus ohne Strategie richtet Schaden an“ und es gibt einen eklatanten Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht. Zeitlos gültige, wenn auch unpopuläre Thesen.

Einfach mal die Ruhe bewahren

Warum fällt es uns so schwer, in unübersichtlichen Situationen abzuwarten? Weil „Passivität, Ausharren und Füße still halten ungleich mehr Selbstdisziplin erfordern“ als loszulegen und irgendetwas zu tun, um sich sinnvoll zu fühlen – auch wenn es noch so sinnlos oder sogar völlig kontraproduktiv ist. Friebes Beweisführung mündet in einem Fußball-Video: Der Torwart, der einfach in der Mitte seines Tores stehen bleibt anstatt sich wild in die eine oder andere Ecke zu werfen (und damit den an ihn gestellten Erwartungen zu entsprechen), hält das Tor. Wenn er das immer macht, wird er gefeuert. Ähnlich natürlich der CEO, der öffentlich bekunden würde „warten wir lieber mal ab“.

Lektion 1: STAY PUT

Die erste Lektion der Stein-Strategie besagt, dass der beste Schutz und die beste Strategie oftmals darin bestehen, einfach an Ort und Stelle zu verharren. Manchmal ist es sogar überlebenswichtig, wie Laurence Gonzales in seinem Buch „Deep Survival“ belegt: Für Verunglückte oder Verirrte ist „stay put“ und sich finden lassen die absolut überragende Strategie, wohingegen blindes Umherirren in den allermeisten Fällen ins Verderben führt.

Schützenhilfe für die Stein-Strategie kommt auch seitens Frank Partnoy, der in einem Buch mit dem schlichten Titel „Wait“ als Kernbotschaft vermittelt, dass wahre Profis „warten so lange sie eben können“. Das war auch Warren Buffetts bester Plan. Der Unternehmer und Großinvestor war nach eigener Aussage mit „Lethargie an der Grenze des Faultierhaften“ am erfolgreichsten. Womit wir wieder bei den Tiervergleichn wären (aber sei’s drum).

Selbst Steve Jobs sagte „I’m going to wait for the next big thing“ und lieferte mit dieser vermeintlich belangloses Aussage, so Holm Friebe, ein „Paradebeispiel für Demut und Gelassenheit“ (das nächste große Ding war dann MP3). Unternehmen wie Lego hingegen zerstören sich in ihrem Innovationswahn fast selbst und finden nur mit Mühe zum Kern ihrer Marke und ihres Seins zurück – im Falle Lego: zu den Steinen (!!!). Zu den supererfolgreichen Flagship-Stores mit Lego-Steinen zum Kilopreis. Zu Messen auf denen Jung und Alt um die Wette bauen. Zu dem Film, der aktuell in den Kinos läuft, mit 15 Millionen animierten Lego-Steinen: Die greifbare Antithese zu all dem Digitalen, dem man eine Zeitlang nachzueifern versuchte.

Lektion 2: Don’t believe the hype

Holm Friebe ergänzt unsere Literaturliste um „Future Babble“ von Dan Gardner, dessen Erkenntnisse er bezeichnet als „Schlag ins Kontor der Zunft der Trend und Zukunftsforscher“ (eine seiner vielen ausgefeilt schönen Formulierungen). Am besten schnitten noch diejenigen Experten ab, die „sehr bedächtig, sehr konservativ“ schätzten, am schlechtesten die anerkannten Experten in einem Spezialgebiet und darunter – aufgemerkt! – insbesondere die, die häufig in den Medien auftauchten. Friebe spricht hier vom „Overconfidence–Effekt“.

Ein Steinexperte, der voraussagt, dass alles bleibt wie es ist, hätte naturgemäß besser abgeschnitten. Doch sind es in der Regel „radikale, spektakuläre Zukunftsszenarien“, die auf Anklang stoßen, „weil die realistische Variante auch die langweiligere ist“.

Hysterisierbarkeit vs. Normalisierbarkeit

Erfolg hat, was hysterisierbar ist. Die Computerlinguistin Jackie Feen hat den „Gardner Hype Cycle“ entworfen: eine neue Technologie erscheint – zack, setzen überzogene Erwartungen ein, sprich Hype (Kurve steil nach oben) – zack, abrupte Entbegeisterung (Kurve steil nach unten) – dann Einpendeln und Normalisierung, im Idealfall mit Umsetzung der realen Möglichkeiten der neuen Technologie. Das betrifft aktuell gerade Phänomene wie „Big Data“, die sich auf dem Gipfel des Hype befinden (kurz vor Absturz also). Wie damit umgehen? Die Doppelbotschaft lautet: Mach nicht mit, nur weil es „in“ ist; verpass es nicht, nur weil es „out“ ist.

Zurück zur Ausgangsfrage: Leben wir tatsächlich in so bewegten Zeiten? Manche sagen, wir leben in langweiligen Zeiten, weil das Innovationstempo fast zum Stillstand führt (Peter Thiel, End of the Future). Ein gewisser Robert Jordan macht mit Studenten den Toilettentest: Würden Sie auf eine Outdoor-Toilette (sprich Plumpsklo im Hof) zurückgreifen wollen für das neueste Update irgendeines Gerätes oder einer App? Friebe reflektiert, dass die Frage beim TYPO-Publikum nicht die üblichen Antwortquoten ergeben mag. Trotzdem gilt: Innovationen vor 100 Jahren – sagen wir: Telefon und Toilette in der Wohnung, Glühbirne, Waschmaschine, Flugzeug – waren bahnbrechende „Basiserfindungen“ und haben die Menschheit entscheidend nach vorne gebracht, unser Leben gravierend verändert. Die neueste App tut das nicht.

Gegenwartseitelkeit

Und doch herrscht zu allen Zeiten eine Art „Gegenwartseitelkeit“ (dem Wort gebührt ein Essay für sich). Psychosomatische Reaktionen waren auch vor 100 Jahren gegeben und in ihrer Symptomatik fast identisch mit denen von heute. Man nannte es halt Neurasthenie oder Nervenschwäche statt Burn-out und (lost) Work-Life-Balance, und „jeder moderne Großstädter, der es sich leisten konnte, litt darunter“ (wieder so eine sanft vorgebrachte Anmerkung, deren traurig-harte Implikationen wie nachträglich durchsickern).

Entsprechend seien Vorstellungen von der Zukunft stets geprägt von der jeweiligen Gegenwart: „Zukunft kann ja nur aussehen wie die Gegenwart auf Speed“, konstatiert Friebe und verweist auf die utopistischen Stadtentwürfe der 1970er Jahre sowie auf Lucius Burckhardt, Der kleinstmögliche Eingriff – als Leitlinie für die Stadtplanung. Ähnlich argumentiert hätten Kreuzberger Hausbesetzer, als ganze Häuserzeilen in Berlin (für eine Stadtautobahn) platt gemacht werden sollten, die heute begehrteste Wohngegenden sind.

Das heißt nicht, dass Fortschritt grundsätzlich abgelehnt werden sollte. Nix Kulturpessimismus. Man solle nur „nicht so leicht auf das Kindchenschema des Neuen hereinfallen“. Nicht alles ist toll, nur weil es neu ist.

Neomanie

Neurasthenie und Neomanie hängen natürlich zusammen und führen zu völliger Überreiztheit. Es werde einfach viel zu viel Gewicht gelegt auf die aktuell „heißesten“ Erfindungen – wie in den 60ern auf Raumfahrt, in den 70ern auf Plastik – und „wir überschätzen systematisch die Rolle des Neuen“. Gleichzeitig unterschätzen wir oft „die Chancen arrivierter Technologien“. Auch David Edgerton empfiehlt (in „The Shock of the old“), dass wir uns frei fühlen sollten, in scheinbar ausgereizten Feldern nach Innovation zu suchen.

Eigentlich „ein schönes Schlusswort“, doch Friebe habe gelernt (bei TED), dass eine Rede immer mit einer Art „Call for action“ enden sollte: „Das fällt mir natürlich schwer“.

Trotzdem, noch einmal zusammengefasst, eindringlich:

–     „Seien Sie misstrauisch.“

–     „Glauben Sie nicht jeden Hype.“

–     „Gehen sie einfach gelassen Ihren Geschäften nach.“

Das lässt sich kürzer fassen mit der wohlbekannten Botschaft, die bezeichnenderweise zur Zeit eine Wiederentdeckung erlebt und aus dem 2. Weltkrieg stammt: KEEP CALM AND CARRY ON.

Die Typografie dieses Posters hat Friebe aufgegriffen für die Typografie seiner Präsentation. Er zeigt einen Dokumentarfilm darüber, wie die beruhigende Botschaft in die Welt kam und zu einem er erfolgreichsten Meme überhaupt wurde: „The story of the second world war poster“.

Der Schlusssatz daraus lautet:
„a warm-hearted message in difficult times“.

Das lassen wir jetzt mal so stehen.

 

Sonja Knecht ist Director Text bei Edenspiekermann.

PS

Die Stein-Strategie. Von der Kunst, nicht zu handeln“ ist erschienen im Carl Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-43677-0. Mehr zu Holm Friebes Werdegang und Wirken und weitere Links finden Sie im Sprecher-Porträt Holm Friebe und im Beitrag von Sabine Gruppe: Holm Friebe eröffnet TYPO Berlin 2014.

 

Fabian Hemmert, Foto: ©Sebastian Weiß

Fabian Hemmert: Informations-Aufnahme in der Fastfood-Ära

16. Mai 2014

Als Fabian Hemmert auf die Bühne hüpft, merkt man: Der gehört zu dieser quirligen Sorte Mensch, die immer unruhige Finger hat und den Rubix Cube in 30 Sekunden lösen kann. Das wird erfrischend.

Fabian Hemmert: Informations-Aufnahme in der Fastfood-Ära

Als Fabian Hemmert auf die Bühne hüpft, merkt man: Der gehört zu dieser quirligen Sorte Mensch, die immer unruhige Finger hat und den Rubix Cube in 30 Sekunden lösen kann. Das wird erfrischend.

Fabian Hemmert, Foto: ©Sebastian Weiß

Als Gastprofessor für Interface Design an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und Doktorand des Design Research Lab der UdK Berlin, forscht Fabian Hemmert über die Integration moderner Technologie in unseren Alltag – wie sie uns physisch verändert und psychisch beeinflusst.

Das komplette Publikum nickt, als Fabian erzählt: „Ich saß im Bus und beobachtete diesen jungen Mann, der gefangen war in seinem Smartphone: Immer hin und her wechselnd zwischen unzähligen Informations-Streams, die ihm nichts neues erzählen. Kennt ihr das?“ Kollektive Zustimmung. „Mhm. Irgendwie traurig, oder? Der Typ, das war ich.“

Diese Art und Weise der Informationsaufnahme – schnell, übertrieben oft, unselektiert, belanglos – stellt Fabian Hemmert in den Vergleich mit Fast Food: Sieht lecker aus, ist günstig und verlockend – und ist vor allem belegt mit negativen Gedanken: Ungesund, macht dick, macht nicht satt, macht schlechte Haut. Hastige Informationsaufnahme hat das gleiche Problem: Wir werden nie wirklich zufriedener, nur noch hungriger. Und vor allem: Wir sind uns darüber bewusst! Früher waren es die Menschen, die raus gingen und das Abendessen durch den Wald jagten – heute werden wir gejagt von Nachrichten, Updates und den stressigen Gedanken an unsere vollen E-Mail-Postfächer.

Was Nahrungsaufnahme betrifft, hat sich unsere Esskultur über unzählige Jahre hin gewandelt. Wir können wählen, was wir essen. Wir können lernen, welche Inhalte uns gut tun. Und wir wissen vor allem, wann wir satt sind. Im Grunde sind das alles Punkte, die wir auch auf unseren Informationskonsum übertragen können: Inhalte können durch Algorithmen gefiltert werden, Zutaten können wir über mehr Bewusstsein beim Konsum steuern, und Ausgewogenheit könnten wir zum Beispiel durch Technologien wie Geo-Fencing erreichen. Dass wir unsere Arbeitsmails nicht abends auf dem heimischen Sofa checken sollen, wissen wir doch insgeheim alle (wir wissen ja schließlich auch, dass Zuckerkonsum am Abend dick macht).

Fabian Hemmert ist überzeugt, dass wir viel von unserer Esskultur lernen und auf Informationskultur übertragen können. Die Beziehung, die wir gerade zu unseren Newsstreams führen, ist einfach ein bisschen zu intensiv. Der klingende Begriff der „digitalen Fata Morgana“ bringt es ganz gut auf den Punkt: Wir klicken so oft auf „Aktualisieren“ in der Hoffnung, dass da etwas Neues, Gutes auf uns wartet – aber da ist nichts. Und weil wir uns da niemals sicher sein können, drücken wir eben nochmal.

Dass wir uns das abgewöhnen müssen, wird spätestens bei einem kleinen Experiment klar: Alle Zuhörer werden aufgefordert, das Smartphone hervor zu holen, zu entsperren und an den Nachbarn weiter zu reichen. Alle machen mit, und in wenigen Sekunden legt sich eine unbequeme Stimmung über den Saal. Alle schielen auf das eigene Telefon in der Hand des Sitznachbars – obwohl wir ja wissen, dass nichts schlimmes passieren wird. Fabian grinst: „War nicht so angenehm, was?“

Ne, angenehm war das nicht. Aber der Vortrag war es, und zusammen mit der angeschlossenen Q&A-Sitzung wurden noch drei weitere spannende Denkfässer geöffnet: Wie werden wir damit umgehen, wenn anziehbare Technologie wie Google Glass oder Oculus Rift die digitale Fata Morgana noch weiter ausreizen? Werden wir glücklichere Menschen, wenn wir – das Quantified Self lässt grüßen – all unsere Information messbar machen? Und wieso versuchen wir schon wieder, die Technik etwas kontrollieren zu lassen, wo wir uns doch eigentlich selbst kontrollieren könnten?

Zumindest einige Ideen hierzu wird Fabian Hemmert sicherlich während seiner Forschungen entwickeln. Mehr Infos gibt es hier: www.fabianhemmert.com

Text: Christoph Rauscher
@christowski

Snask, Foto © Gerhard Kassner

Snask: Feinde machen, Freunde finden

16. Mai 2014

Man wunderte sich des abends gegen 20 Uhr beim Eintritt in die Hall … geht es schon zum gemütlichen Get-Together über? Life spielte eine Band, bestehend aus einem E-Gitarristen im Bischofsgewand, einen weißen Häschen-Anzug tragenden Schlagzeuger und einem E-Bassisten in königlicher Robe, die die Bühne vibrieren lies. Bin ich hier richtig?

Snask: Feinde machen, Freunde finden

Snask, Foto © Gerhard Kassner

Einen sehr unterhaltsamen Auftritt lieferten gestern die Design, Branding und Film Agentur aus Schweden SNASK.

Man wunderte sich des abends gegen 20 Uhr beim Eintritt in die Hall … geht es schon zum gemütlichen Get-Together über? Life spielte eine Band, bestehend aus einem E-Gitarristen im Bischofsgewand, einen weißen Häschen-Anzug tragenden Schlagzeuger und einem E-Bassisten in königlicher Robe, die die Bühne vibrieren lies. Bin ich hier richtig?

Zwei weitere Figuren tauchen auf mit Mikrofon – Fredrik aka. Freddie Öst in silberner Bikerjacke und Magnus Berg in einem rosa Pandabär Pulli mit einer golden Ananasrassel in der Hand. Sie stellen sich vor als Gründer der jungen Branding Agentur aus Schweden SNASK. Zwischen weiteren musikalischen Einlagen folgt ein Werbeblock: Das Buch „Make enemies and gain fans“ erschienene zu 5-jährigen Bestehen der Agentur und gibt es für 900 Kronen zu kaufen in Kombination mit einem rosa Fahrrad designed by SNASK – ein Schnäppchen!

If you want to be a rock star, don’t study graphic design.

Äußerst selbstbewusst stellen sie sich vor als Rockstars des Design mit ebensolchen Rockstar Allüren „Hate it or Love it!“ und untermalen ihren Auftritt in rotz-frecher Manier.

„…when you make something no one hates, no one loves it …“ —Tibor Kalman

Prätentiös mit einem Augenzwinkern

Abgefahrener Hipster Bullshit wäre ein Ausdruck, der den ersten Eindruck dieses Talks gut beschreiben könnte … Doch dann: „… don’t take yourself too serious cause it makes you a precocious duchebag …“ — SNASK 2007

SNASK erzählen, wie sie ihre Agentur gründeten. Nicht mit einem Business Plan. Nein, eine ganze Reihe fiktiver Logos wurden gestaltet, als Referenz für kommende Kunden. Von Anfang an setzten sie sich selbstbewusst in Szene – ohne falsche Bescheidenheit. Sie wollen Spaß haben und schaffen es auch mit ihrer jungen, mutigen, trendigen Arbeit diesen Spaß zu kommunizieren. Das gefällt den Auftraggebern aus dem Kulturbereich wie MTV, Festival Malmö, OFFF Barcelona, etc. für die aufwendige Stopmotion-Videos mit gebauten Schriftzügen aus Papier gebaut wurden — aber auch seriösen Kunden wie der Nordea Bank oder der Kampagne #neverforgettovote für ein Nazi-freies Europa. In ihren Spots und Videos scheuen sie sich nicht davor sich selbst in lustigen aber auch peinlichen Situationen in Szene zu setzten – mit vollem Körpereinsatz.

Mit ihrem Auftritt wie auch ihren Arbeiten – verrückte Videos, Stopmotion und handgemachten Plakatmotiven aus Papier – setzen sie eine Marke. Mit viel Humor und Verrücktheit geben sie sich wie sie sind, verstellen sich nicht für den Kunden um professionell zu wirken. Und das zieht – auch der Bänker ist auch nur ein Mensch und will Spaß haben, so Freddie.

Wie sie mit ihrem Auftreten an solche seriösen Kunden kommen? „Just because you wear a black suit, doesn’t mean you’re successful.“ So heißt es im Manifest auf der SNASK Website.

„Luck? Fuck Luck, there exists no luck, there is only ambition.“ —Freddie

Creative Entrepreneurship bedeutet für SNASK, Vollgas zu geben in allen Lebenslagen, alles scheint möglich mit ihrer quirligen Energie:

„We believe in standing out and have opinions to stand up for. To be a part of the present time and have the gaze nailed to tomorrow. We believe in telling stories and to really dare to be personal. To constantly question and challenge social conventions and to never be afraid of making enemies. Why? Because with obvious enemies a brand becomes clear and distinguishable, and will have millions of fans and followers. Finally we believe that the only right way is your own, walk with us. Snask Off!“

Text: Christine Wenning

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Yanone: Antithesis

16. Mai 2014

Der finale Sprecher des ersten TYPO-Tages 2014 – Jan Gerner als Yanone – gab dem Publikum einen sehr persönlichen Einblick in seine Welt der experimentellen Typografie und des treibenden Goas.

Yanone: Antithesis

Yanone, Foto ©Sebastian Weiß

Der finale Sprecher des ersten TYPO-Tages 2014 – Jan Gerner als Yanone – gab dem Publikum einen sehr persönlichen Einblick in seine Welt der experimentellen Typografie und des treibenden Goas. Als der gebürtige Dresdner 2000 nichtsahnend durch die weiße Gasse läuft und ihm die originellen, kontrastreich gesetzten Neonreklamebuchstaben „Wild Geflügel“ ins Auge stechen, hätte er wohl nicht daran geglaubt, dass diese die gestalterische Grundlage seines sogenannten Masterpieces bilden würden – seine Abschlussarbeit 2014 an der Type & Media in Den Haag. Ein Slabserif-Font bestehend aus den Schnitten regular, bold und italic, die einem Konstruktionsprinzip mit drei ungleichen Polen, die in Spannung und Dialog zueinander stehen, entspringen.

Die einzelnen Schnitte erscheinen dementsprechend unterschiedlich, dass es somit theoretisch möglich wäre, jeden einzelnen Schnitt als einen komplett neuen Font zu etablieren. Es ist eine Schrift, die so weit in Yanones eigene Geschichte hineinreicht, zu den Wurzeln seines typografischen Schaffens, dass sie es verdient hat, verfilmt zu werden. Nämlich ganz im Sinne des Urknalls.

Die Antithesis wird in einem Zehnminüter durch epische Tanzszenen von Johanna Roggan in hautengen Overalls zu tragenden Goa-Bässen, umgarnt von allen vier Elementen, wunderbaren Naturaufnahmen und beeindruckenden Lichtspielen, gepriesen. Immer begleitet durch die magische Zahl drei. Beginnend mit dem grafischen Symbol des Punkts wird die Zeit vor dem Urknall definiert. Gefolgt von der Linie, die die Weiterentwicklung des Punkts und die spannende Phase kurz vor dem Knall beschreibt sowie das Dreieck, das den Höhepunkt der grafischen und zeitgeschichtlichen Materie offeriert. Eine psychedelisch ästhetische Traumwelt. All das geschaffen durch die Inspirationsquelle Schrift. Schön!

Text: Lisa Schmidt

Sarah Illenberger, Foto © Gerhard Kassner

Sarah Illenberger: Playtime

16. Mai 2014

Let me start by saying: Sarah Illenberger is a true source of inspiration. She not only strives to be a generalist by combining the art of illustration, graphic design and photography, but also constantly challenges herself in terms of materials and methods.

Sarah Illenberger: Playtime

Sarah Illenberger, Foto © Gerhard Kassner

Let me start by saying: Sarah Illenberger is a true source of inspiration. She not only strives to be a generalist by combining the art of illustration, graphic design and photography, but also constantly challenges herself in terms of materials and methods.

Her destiny was already decided, the moment she saw the light of day, as the daughter of a restaurant owner and jewelery designer. Little did she know, that the passion for food and design would follow her for her whole life and moreover become a big influence on her career.

Always inspired by people taking unconventional and fun approaches towards storytelling (starting with her dad and later Jacques Tati), she soon found her niche as a designer:

“’Kruschtel Kruschtel’ and it’s magic!”

(Kruschtel is a handy german expression meaning the act of rumaging through bric-a-brac)

How this works? Transforming known objects into something new. Giving them a new meaning while creating beautiful visuals.

Luckily her job played well into Sarah’s passion for shopping. As a self-called nerd shopper, it’s not unlikely to find her exiting a hardware or grocery store with dozens of bags, leaving the store staff exhausted and unnerved. The numerous “Kruschtel” she accquired is then put together into an artwork of detail like you’ve never seen before.

Over the years of working for big and small, commercial and non-commercial projects, she has always managed to stay true to herself. She makes it hard for people to put her in a box and always reminds herself to keep loving the imperfection; even with growing budgets, expectations and popularity.

You get a sense of how much thought must have gone into the concept, although her illustrations may appear simple.
Finding that initial spark of inspiration is a common theme with designers, even though Sarah may rarely worry about this, she sums it up perfectly:

“Finding a good idea is like an orgasm, you can’t fake it!”

Thanks for giving us that spark and a little insight into your life and creative process.

Find more on Sarah Illenberger’s work at www.sarahillenberger.com.

Text: Marlene Schufferth