Foto © Sebastian Weiß

Boris Kochan: Design and Identity

17. Mai 2014

Boris Kochan ist Unternehmer, Büchermacher, Berater und Vorsitz der tgm (Typographische Gesellschaft München). Die tgm wurde 1890 gegründet und viele namhafte Persönlichkeiten der Branche waren in der tgm organisatorisch und/oder inhaltlich aktiv, u.a. Paul Renner, Jan Tschichold, Günter Gerhard Lange, Hans Rudolf Bosshard, Kurt Weidemann.

Boris Kochan: Design and Identity

Foto © Sebastian Weiß

Boris Kochan ist Unternehmer, Büchermacher, Berater und Vorsitz der tgm (Typographische Gesellschaft München). Die tgm wurde 1890 gegründet und viele namhafte Persönlichkeiten der Branche waren in der tgm organisatorisch und/oder inhaltlich aktiv, u.a. Paul Renner, Jan Tschichold, Günter Gerhard Lange, Hans Rudolf Bosshard, Kurt Weidemann.

Am Anfang stellte er kurz bei tgm organisierte Editorial Design Conference Munich und GRANSHAN – International Type Design Competition for Non-Latin Typefaces vor. Dann präsentierte er sein Büro Kochan & Partners und seine Buchprojekten.

Seine typografische Buchprojekten waren so feinfühlig, sensibel, mutig und einzigartig.
– „Sprechendes Wasser“: der Schweizer Dichter Jörg Halter und der japanische Poet Tanikawa Shuntarô treten in einen west-östlichen Dialog. Dieser Dialog wurde als typografisches Mittel in seinem Buch mit den Bilder poetisch, rhythmisch und raffiniert dargestellt.
– Studiosus: Editorial Design für die Reise Agentur Studiosus. Weltweite Reisezielorten werden durch Foto Courage mit emotionalen Farben dargestellt. Dabei werden die Gefühle und Leidenschaften in verschiedenen Orten vielfältig kombiniert.
– „Auf Hemd reimt sich fremd“: ein Jahresbericht für Studiosus. Das Buch wurde mit den Interviews und Porträtbilder konstruiert. In den Schwarz-Weiß Porträtbilder werden Aufklapp-Farbbilder integriert. Das Buch realisiert eine unkonventionelle und ästhetische Darstellung des Jahresberichtes.
– „GÖKBÜK WIRKLICH MÖGLICH“: Das Buch kann aufgeklappt werden und jeweils ein Buch wird beide Seiten verbindet. Nämlich werden zwei Bücher als ein Buch verbunden. Viele Bilder und fragmentarische Texte sind ohne Verbindung platziert. Zuordnen von Seiten, Texten, Bildern wird der Leser selbst gewählt und gestaltet.
Er stellte noch anderen interessanten Buchprojekten vor. Sie reflektierten alles seine typografische Haltung zu Bücher.

Das Gespräch ging wieder zum Thema GRANSHAN zurück. GRANSHAN-Projekt wird mit dem armenischen Kulturministerium und tgm zusammen organisiert. Armenien liegt am Übergang zwischen Kleinasien und Transkaukasien und das Land grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran und von Südwesten bis Westen an die Türkei. Armenisch wird mit einem eigenen Alphabet geschrieben. Das eigene Alphabet wurde im 5. Jahrhundert vom Mönch Mesrop Maschtoz entwickelt. Wenn man sich für das Alphabet interessiert, ist Armenisch empfohlen und es gibt dort sehr schöne Schriftkunst. Eigentlich entstand das Projekt wegen der Erweiterung der tgm Aktivitäten. Heute ist das GRANSHAN-Projekt einziger nicht lateinischen internationalen Schriftwettbewerb geworden.

Am Ende des Vortrags betonte er die Wichtigkeit der lokalen Schriften als kulturelle Technik des Behälters. Die Schrift transportiert Gedanken der Vergangenheit heute und in Zukunft. Die geschriebene Schriften sind ganz stark verbunden mit der Erinnerungen der Gesellschaft und sie formen den Bestandteil derer DNA. Die Vielfalt der lokalen Schriftwelt wird besonders wichtiger in der globalisierten Welt.

 

デザイン・アンド・アイデンティティー:アイデンティティーのルーツに関するタイポグラフィカルな対話

ボリス・コーハン(Boris Kochan),ベルリン出身だが現在はミュンヘンに彼のオフィスを構え,tgm(Typografiesche Geselschaft Münchenの省略形でタイポグラフィー共同体ミュンヘンを意味する.1890年創立のタイポグラフィーの職能団体であり,かつてパウル・レナー,ヤン・チッヒョルト,カート・バイデマン等も所属した伝統ある組織である.)の会長であり,コーハン・アンド・パートナーズの社長,またタイポグラフィーコンペティションGranshanの主催者でもある.

まず始めに,彼の主催しているエディトリアル・デザイン・カンファレンス・ミュンヘンについて短い説明とビデオを紹介し,次いでこれも彼が主催するGRANSHANを紹介する.GRANSHANとはラテンアルファベット以外のタイプフェイスのインターナショナルコンペティションで,アルメニア共和国文化省とtgmの共催で行われている.その後彼の経営するデザイン事務所コーハン・アンド・パートナーズ(Kochan & Partners)の成り立ちから紹介し,話は本のプロジェクトに移っていく.

彼の作品はとてもセンシブル且つ詳細,大胆でもあり,独創的でもある.
-『Sprechendes Wasser』スイス人の詩人と日本人の歌人が繰り広げる西洋と東洋の交錯する対話.この対話を軸に写真とタイポグラフィーと西洋と東洋の思考,美的観念,言語と文化などが織りなす様相を一冊の本にした作品.
-Studiosusという旅行会社のための冊子デザイン.様々な写真と鮮やかな色を一枚の絵としてコラージュすることで,世界各地の旅行先を象徴する感情や情熱を表現した作品.
-『Auf Hemd reimt sich fremd』Studiosusのアニュアルレポート.インタビューとその人物の写真で構成される,一風変わったとてもアニュアルレポートとは思えないような仕上がりとなっている.
-『GÖKBÜK WIRKLICH MÖGLICH』本を開くと両開きとなり,左右両面に本が別れており,実際は二冊の本が合わさって一冊になるように作成されている.写真とタイポグラフィカルなテキスト,どこをめくっても繋がりはなく,どこから開いても,どこを読むのも読者次第.ただめくるもよし,見るもよし,読むもよし,飾るのもいいだろう.
などなど,その他にも彼の関わったいろいろな本のプロジェクトが紹介された.

そして,話はまたGRANSHANに戻り,そのプロジェクトの始まりについて説明される.もともとこのプロジェクトはtgmの活動をより広範に広げるため企画された.当時ヨーロッパには既に多くの講演会,カンファレンス,レクチャーなどがありその活動をより広げるためにアルメニアの大使館の援助をかりて主催されるようになった唯一の国際非ラテン文字のコンペティションである.アルメニアとは小アジアに位置し,国境は北にゲオルギア,東にアゼルバイジャン,南東にイラン,そして南西から西にかけてトルコにかこまれた比較的小さな国である.そこには5世紀に修道僧Mesrop Maschtozによって作られた独自の文字がある.そして今でも独自の文字を使用している.アルメニアにはとても美しい文字の芸術が残っているため,興味のある方はぜひ訪れていただきたい.

ローカルな文字とは文化,技術の継承受容体であり,過去の考えや記憶を運ぶ重要なツール.書かれた文字は社会の記憶を継承し,その社会のDNAを形成する.これら多様な文化と文字を今日のグローバル化した社会で,さらに未来に受け継ぐ重要性を説きその講演を終えた.
Text: Toshiya Izumo

© Sebastian Weiß

Brigitte Schuster: Book designers from the Netherlands

17. Mai 2014

“Book Designers from the Netherlands” was presented by its author Brigitte Schuster on Friday. This refined book is published under the label Brigitte Schuster Éditeur and was launched just recently at the Special Collections, part of the Library of the University of Amsterdam in the Netherlands.

Brigitte Schuster: Book designers from the Netherlands

Foto © Sebastian Weiß

“Book Designers from the Netherlands” was presented by its author Brigitte Schuster on Friday. This refined book is published under the label Brigitte Schuster Éditeur and was launched just recently at the Special Collections, part of the Library of the University of Amsterdam in the Netherlands.

The 256-page edition contains interviews with 13 prominent contemporary book designers from the Netherlands and clearly shows a wide variety of approaches to design.

The idea for this book was born when Brigitte was doing her post-graduate TypeMedia course in the Hague. While working on her diploma project—a type family for editorial design—she felt the necessity to define the book designers’ typographical needs.

Interviews were conducted between 2010 and 2013. Brigitte captured the personalities of the designers and the unique atmosphere of their workplaces. She was interested in how designers lead their professional and personal lives as well as the psychological aspects of their work.

Book designers share their thoughts about very crucial themes: design philosophy, earning a living with book design, publishing in the Netherlands and elsewhere, their working process and their daily lives.

Their different opinions and views allow us to better understand the contemporary Dutch book design scene.

Brigitte not only worked on the written content of her book, as she also took photographs of the designers in front of their bookshelves. The design and typesetting of the book are also done by the author.

“Book Designers from the Netherlands” is a 16 x 24 cm book with an open binding and a register mark on the side. The cover’s orange color explicitly refers to the Netherlands.

The designers who are interviewed include Joost Grootens, Karen Polder, Ron van Roon, Françoise Berserik, Armand Mevis, Walter Nikkels, Hansje van Halem, Robbert and Oscar Schrover, Caroline de Lint, Bram de Does, Tessa van der Waals and Adriaan de Jonge.

Brigitte mentioned that the last stages of the work on her book lined up with the last months of her pregnancy. That gives us a reason to congratulate Brigitte on two new offspring!

Text: Aleksandra Samulenkova, LucasFonts

© Foto Gerhard Kassner

David Carson: Neue Wege

17. Mai 2014

Der Sunny Boy from Southern California ist back!
Zuerst – Stille, große Fragezeichen auf David Carsons Gesicht – die gute deutsche Technik scheint nicht zu funktionieren … »Nein, wir haben hier Computer made in California« – so ein Techniker, der sich alle Mühe gab, das Problem zu beheben.

David Carson: Neue Wege

Foto © Gerhard Kassner

Der Sunny Boy from Southern California ist back!

Zuerst – Stille, große Fragezeichen auf David Carsons Gesicht – die gute deutsche Technik scheint nicht zu funktionieren … »Nein, wir haben hier Computer made in California« – so ein Techniker, der sich alle Mühe gab, das Problem zu beheben.

»I need another beer!«

Mit etwas Unterhaltung unser netten Moderatorinnen wurde die Zeit mit Frage-Antwort-Spielen überbrückt … und mit dem gesamten Publikum ein Geburtstagsständchen gesungen für Moderatorin Simone, die sich sehr drüber freute.

Signs on the road

Dann geht es los. David Carson zeigt, was ihn inspiriert. Während er im Auto sitzt oder durch die Straßen läuft, begegnen ihm Schilder –  absurd große Wertetafeln mit Leuchtschrift „Drive-through Liquor Store“ bis zu kleinen verwitterten Türen von Blechhäusern oder Klingelschilden. David zeigt uns Eindrücke aus der Ukraine, an Wänden aufgemalte Schilder, die ihn inspirieren. Aber auch Kuba – Kinder die auf einem Müllberg unverrottbarer Plastikflaschen und -teile spielen und ihn in ihren Bann ziehen. Selbst beim Autofahren hält er seine Kamera bereit und fängt Bilder ein, die für ihn eine Geschichte erzählen – riskiert dabei gefährliche Unfälle.

Dann ein Gegenbeispiel: Im Land der Warnhinweise findet Carson häufig Beispiele bürokratisch verordneter Schilder, die von Weitem gut lesbar sind, jedoch niemand liest.

© Sebastian Weiß

»Legibility doesn’t guarantee communication.«

Kommunikation starte vor dem Lesen, wenn man sich angesprochen fühlt durch das Design des Plakats, etc. und animiert wird, neugierig die Botschaft drauf zu lesen.

Fast 20 Jahre nach »The End of Print« unterscheidet sich David Carsons Arbeit heute kaum vom Grunge-Stil von damals, erschwerter Lesbarkeit und collagierter Typografie, die ebenso populär war wie umstritten. Als Idol eines jeden Studienanfängers des Faches Grafik Design will man so sein wie er: alle typografischen Regeln brechen – die Pubertät des Designers. David Carson scheint hinsichtlich seiner Arbeitsmethode nicht erwachsen werden zu wollen, sich irgendwelche Regeln aufzwingen lassen oder gar Style Guides befolgen.

»Never snap to grids or use guide lines!« so sein Motto.

Heute kommen neben Musik-Labels, Surfmagazinen und -festivals häufig große Auftraggeber auf ihn zu, die angezogen sind von der Coolness David Carsons Stils. Verstaubte, spießige Unternehmen möchten ihr Image auffrischen. Für Chrysler beispielsweise gestaltete David Carson massenhaft Entwürfe, nahm sich die Freiheit das Logo zu dekonstruieren – bis zur Unkenntlichkeit. Schwer für einen solchen Konzern zu akzeptieren. Unzählige Runden wurden gemacht, letztendlich keine Arbeit realisiert.

»Keep failing with Clients.«

Gestaltung ist für David Carson ein Prozess. David zeigt uns massenhaft Entwürfe als Video abgespielt zu funky Surfermusik. Für das National Theater machte er hunderte Entwürfe, alles »Richtungen«, nicht ausgearbeitet. Sie muten an wie Kunstwerke, grob in Photoshop illustrierte und collagierte Buchstaben. Der Auftraggeber entschied sich für eines davon, welches ohne ausgearbeitet worden zu sein umgesetzt wurde.

Carsons Motto: Je mehr der Computer das Arbeiten bestimmt, desto subjektiver sollte man als Designer gestalten. Der Rechner sollte nicht die Entscheidungen übernehmen, sondern der Gestalter.

Im Fazit war der Talk von David Carson keine Überraschung, es scheint die Zeit Stil gestanden zu sein und die Arbeiten bekommen einen leichten Retro-Glanz – also: »Keep paddling!«

Text: Christine Wenning

Foto © Gerhard Kassner

Photo © Sebastian Weiß

Christian Hanke: The maturity of digital editorial

17. Mai 2014

A slightly nervous Christian got on the stage and after telling us about his student days in Chicago, he confidently jumped to the meat of the presentation which was nothing less than an impressive overview of what he has been building the last few months in Edenspiekermann.

Christian Hanke: The maturity of digital editorial

Photo © Sebastian Weiß

A slightly nervous Christian Hanke got on the stage and after telling us about his student days in Chicago, he confidently jumped to the meat of the presentation which was nothing less than an impressive overview of what he has been building the last few months in Edenspiekermann.

His speak revolved around the theme of the long form storytelling, so it was natural that he started by showing us the origins of this form, the New York Times snowfall article. This piece of web design excellence demonstrated the opportunity for editorial potential similar to that of print magazines, in the web medium where up that point long articles consisted of boring essays, stitched short stories or feature stories.

The first sample of his work at Edenspiekermann was the Red Bull #Givesyouwings campaign site. A failed demo, beside serving as a painful reminder that conference wifi is never to be trusted during a presentation, didn’t bring the crowd’s expectations down as different “spreads” of the campaign’s different key person sites demonstrated the variety of styles created in each long form article. Beside building a different brand identity of each of the site’s athletes to be used in their pages, the designers and developers also created a story builder tool which gives the content creators better editorial control.

Next project in line was the Schweizer Illustrierte relaunch which was a good warmer for the next big media project release, the Zeit Magazine. The same principles as with the other long story telling projects were followed here too but this time we got a deeper insight of the process of creating these products, together with the client. My favourite part of these slides was a picture of the agency team working together with editors, community managers and other members from the client side, to define an initial product vision. Christian stated “we expected 11 to come and 28 people showed up” showing that the importance of an involved product owner is imperative to the success of a product and a crucial part of the scrum process, which is the way Edenspiekermann approach their digital projects.

Lessons from all the above include:
- “Fight the myth of control”. With so many devices in the wild, it’s obvious now that there is no control over how we “want” our site to display. The sooner we realise that we have no control over that, the sooner we’ll move on to more important digital problems.
- One of which is the advertisement issue. Up to date there is no great solution to showing responsive advertisements on the web and web professionals, designers and developers, need to step in and lead the effort of finding one.
- Build from the core. The basic piece of content of a site that the users interact most with is the article page, so why start designing from the homepage?
- Spec docs given to the client are a waste of time in the digital era and in a frame of collaboration like the one that exists in agile and scrum relationships. A clear direction by the agency and trust between the two sides make the need for spec docs redundant.
- An article’s life doesn’t end on publish. In the old times, an editor would submit her article, it would get printed and life would move on. Nowadays, when there is a need for building a community around a media brand, following up on comments and tweaking details post-publish is crucial for the content’s success.

Finally, “be grateful and establish a proud-free curiosity”. There is no need for explanation on this mantra: ego does prevent development — but there is no need for Christian not to feel proud for what he presented this afternoon to the TYPO crowd.

Text: Spiros Martzoukos

photo © Gerhard Kassner

Roger Law: The Art of Theft

17. Mai 2014

Admittedly I was only vaguely familiar with Roger’s work before attending his presentation at TYPO; hazy memories from my childhood of his rubbery-faced caricatures of politicians gesticulating wildly at me from my TV set. His presentation would be a retrospective of his work in parallel to that of other artists which had not only influenced him but who he had heavily referenced, or even stole from, in order to create his own work.

Roger Law: The Art of Theft

photo © Gerhard Kassner

Admittedly I was only vaguely familiar with Roger Law‘s work before attending his presentation at TYPO; hazy memories from my childhood of his rubbery-faced caricatures of politicians gesticulating wildly at me from my TV set. His presentation would be a retrospective of his work in parallel to that of other artists which had not only influenced him but who he had heavily referenced, or even stole from, in order to create his own work. It would be this concept of theft vs. true originality, which resonates so deeply with all artists and designers, that would be at the core of his thought-provoking, beautiful and often amusing look back at some of his most popular work.

“It’s not where you get it from, it’s where you take it to.”

True originality in Roger’s opinion, and own words, was “as rare as rocking horse shit”. From his point of view he had only ever discovered two artists to whom which he could bestow upon the title of ‘True Original’. The first was the American ceramics artist of the late 19th century, George E.Ohr (or perhaps as he was better known as “The Mad Potter of Biloxi”). George not only had an amazing, gravity defying moustache but also an incredible skill with throwing pots; which has yet to be fully understood or even replicated today. The second was also an American and incidentally another ‘George’, George Herriman; a cartoonist who created the not so popular but undeniably, hugely influential strip ‘Krazy Kat’, during the early 20th century. I’m sure it was intentional to introduce these two but seemingly dissimilar artists (a potter and an cartoonist) as the backdrop to explore his own work; a fusion of satirical illustration, painting and pottery.

Perhaps Roger’s most well known work was that for the TV programme ‘Spitting Image’ which ran from 1984-1996; a satirical puppet show that brought the familiar political cartoons from the newspaper to life in a way we had never seen before. It was the work of 18th century English satirists George Cruikshank and James Gillray that served as his greatest influence on Spitting Image; often appropriating near exact settings and situations seen in their works for his own (updating the figures depicted of course to those of modern politicians). As Roger saw it since their work was forever etched on the British psyche, any image that people were familiar with was fair game; “grist to the satirist’s mill” as he put it. Eventually syndicated globally, Spitting Image brought Roger a fame he felt was too much to bear and when the show finally finished in 1996 he fled grey England for the sunny shores of Australia.

Over the next few years Roger was reclusive and travelled around Australia painting and illustrating the weird and wonderful fauna the country had to offer; leafy sea dragons, mudskippers and cockatoos, to name a few. It was during this time that he first became aware of the potters and imperial kilns of Jingdezhen in China, or has as he more humorously quipped: “Sooner or later in Australia you hear about China…everything that comes up out of the ground ends up going there”. It was in Jingdezhen that he feel in love with pottery and porcelain (of ever increasing sizes) and he would collaborate heavily with the artist, and life-long friend, Ah Xian. Ah Xian introduced Roger to a way of life in China that both inspired and fascinated him, as he put it “These guys weren’t working towards a body of work, they were working for a living … It was great to be somewhere, surrounded by people that were making things all the time.” It would here be that he would also learn first hand a lesson in ‘artistic re-appropriation’ (theft basically) as he left some of his pottery moulds there and returned to find his works in mass production sold cheaply on the streets. Admittedly he was a little pissed off about this at first but reflecting on his own career, particularly on his adaptations of Gillray’s and Cruikshank’s works for Spitting Image, he rationalised it as: “If you rip people off, you must expect eventually to be ripped off in return”.

Reflecting on his skill as an illustrator, his ability to simply draw, as being his single greatest asset in life, he mused that with this alone he was able to create and even take, whatever he needed from wherever he wanted. He concluded with a dazzling array of self portraits in various imaginary situations and left us with the thought: “If you can draw, you can steal anything you want and be anyone you want to be”. To me at least, this conclusion was reassuring and even heartwarming. As artists and designers we shouldn’t be so focussed on being original all the time, as everyone is influenced by the things that have come before them, and instead, we should focus on the act of creating and being and believing in ourselves.

Text: Brent Riddell

David Hill Photo: ©Sebastian Weiß

Neon Muzeum Warschau

17. Mai 2014

David Hill and Ilona Karwinska are the creators and directors of the Neon Muzeum in Warsaw. In initiating the museum, they undertook the mission of documenting and preserving Poland’s cold war era neon signs.

Neon Muzeum Warschau

David Hill Photo: ©Sebastian Weiß

David Hill and Ilona Karwinska are the creators and directors of the Neon Muzeum in Warsaw. In initiating the museum, they undertook the mission of documenting and preserving Poland’s cold war era neon signs. The project started in 2005 with a photographic documentation project titled ‘Polish Neon’, and in 2012 the museum opened its doors for to the public.

The “electro-graphic objects” of that period are more than just ordinary and habitual elements of  urban environments: neon madness was supposed to demonstrate the success of centralized trading and economical well-being in Poland. Yes, even if stores of the period were rather empty, their signs, which were often animated, impressed with visual richness and brilliance.

Thousands of meters of neon tubing were bound masterfully in the late fifties in Poland, resulting in cities competed in neon splendor. This form of urban visual communication caused a creative explosion among polish graphic designers, and Poland experienced an era of “neonization”. Elaborate and refined shapes, carefully selected colors—there is all this and more to see in the neon work of significant Polish “neonizers” such as Jan Mucharski, Witold Janowski and Janusz Rapnicki.

To help visualize the topic at hand, take a second to try to imagine soviet era bureaucrats approving sketches of giddy milk bar’s cows, pigs, elephants and more.

The starting point for David and Ilona’s neon fascination came when they salvaged otherwise neglected signs which were slated for destruction from the former DDR goods store “Berlin”, and returned them to their former glory.

The Neon Museum’s collection is continuously growing. Slower going, though, is the recognition that David and Ilona receive for the work that they have put into preserving the neglected signs. That said, neon design of the cold war era is now much more appreciated in Poland and the heritage value of the design is no longer in question.

The Neon Museum is a private initiative, based on passion and enthusiasm, and it doesn’t receive public funds. Instead it relies on the public’s support via donations or just volunteer work.

Given the amount of work and attention to detail that has gone into it, it shouldn’t come as a surprise that the Neon Museum hosted over 16, 000 visitors during Warsaw’s Museum Nights in 2013.

Text: Aleksandra Samulenkova, LucasFonts

Foto © Sebastian Weiß

Markus Janker: Typografie-Praxistipps für Adobe Illustrator und InDesign

17. Mai 2014

Moin! Der Hamburger Sympathieträger Markus Jasker geleitete die wissbegierigen Zuschauer der TYPO mit seiner nordischen Hilfsbereitschaft geschwind über Stock und Stein der Adobe Programme Indesign und Illustrator.

Markus Janker: Typografie-Praxistipps für Adobe Illustrator und InDesign

Foto © Sebastian Weiß

Moin! Der Hamburger Sympathieträger Markus Jasker geleitete die wissbegierigen Zuschauer der TYPO mit seiner nordischen Hilfsbereitschaft geschwind über Stock und Stein der Adobe Programme Indesign und Illustrator. Nachdem er kurz vorstellig wird, gibt er auch schon eine erste Kostprobe seines Insiderwissens: Geschickt lässt er sein erstes Präsentations-Chart in ein editierbares Indesign-Dokument verwandeln und verrät uns den Trick der Tastenkombination „Shift + W“. Man könne auch aus Indesign heraus gut präsentieren.

Und schon befindet sich das Publikum umgehend im alltäglichen Arbeitsumfeld der Indesign-Interface. Über den kurzen Anreißer der sinnvollen Investition in „Typekit“ folgen darüber hinaus wichtige Tipps, die den Gestaltungsprozess optimieren und die Lebenszeit eines Designers deutlich verlängern. Dabei spielt die „alt-Taste“ auch keine so unbedeutende Rolle. Hier die wichtigsten Praxistipps im Überblick:

Eines der neueren Tools ist das „Bedingte Textwerkzeug“. Es ermöglicht mehrere Textebenen in einem Dokument anzulegen, die zum Beispiel bei einem Druck von Spielergebnissen flexibel und schnell auszutauschen sind. Statt „Danke, Jogi!“ könnte da eben auch ganz fix „Niederlage.“ stehen oder alternativ Übersetzungen des Fanjubels in mehreren Sprachen.

Das Tool „Liquid Layout“ ist essentiell für die Gestaltung von digitalen Publikationen für verschiedene Endgeräte. Man kann durch das „Seitenwerkzeug“ und das Anlegen von „Liquid-Seiten-Regeln“ im Handumdrehen dynamische Layouts basteln, die sich beispielsweise von einem 3:4-Querformat automatisch an ein 16:9-Hochformat anpassen können, indem es die Postionen der Bilder und Textrahmen korrigiert und/oder Größen skaliert.

Die Funktion „mit Platzhaltertext füllen“ oder auch die Schriftauszeichnung „Unterstreichen“ eröffnen in der Kombination bei Klick mit gedrückter „alt-Taste“ ganz neue und nervenschonende Möglichkeiten. Blindtexte können nun auch in kyrillischen oder arabischen Lettern eingefügt werden und die Unterstreichungslinie ist in ihrer Form erstaunlicherweise doch editierbar.

Durch die Option „Spaltenspanne“ haben Gestalter endlich den Freiraum innerhalb eines Textfeldes mehrere Spalten darzustellen ohne mehrere Textrahmen aufziehen zu müssen. Eine Revolution!

Und „Weiter jeht das!“ Und zwar mit Adobe Illustrator. Auch hier gab der Adobe-Experte innerhalb kürzester Zeit kostbarste Informationen weiter.

Das „Aussehen-Werkzeug“ – die kleine Sonne Ilustrators – erscheint den Usern als gar nicht so präsent wie es eigentlich sein sollte. Dabei verhilft es durch wenige Klicks zu Lösungen für viele umständliche Pathfinder-Arbeitsschritte.

Neu seit CS6 ist das „Touch Type Tool“. Ein sehr beeindruckendes Werkzeug mit dem jeder einzelne Buchstabe eines Wortes in seiner Position verändern werden kann und sich dessen Laufweite im Anschluss automatisch anpasst.

Ebenso faszinierend das „Breitenwerkzeug“. Pfade können hiermit partiell in ihrer Breite verändert werden. Somit kann aus einer einfachen Pfadzeichnung eine schicke und komplex wirkende kalligrafische Zeichnung entstehen.

Als abschließenden Tipp gab uns Markus Jasker noch auf den Weg, dass vom 12. bis 14. Juni 2014 die „Pubkon“-Konferenz von Adobe in Berlin stattfindet. Dort hat man die Möglichkeit noch mehr Praxistipps von Adobe zu erhalten. Mehr Infos hier.

Text: Lisa Schmidt

© Nataša Vučković

Hup Hup Holland!

17. Mai 2014

After Russia and Poland in 2013, the Netherlands are the partner country of TYPO Berlin this year. With Joost Grootens, Erik van Blokland, Paul van der Laan, Petr van Blokland, Peter Bil’ak and Gerrit Noordzij we have some veritable institutions of Dutch design in the program.

Hup Hup Holland!

© Nataša Vučković

After Russia and Poland in 2013, the Netherlands are the partner country of TYPO Berlin this year. With Joost Grootens, Erik van Blokland, Paul van der Laan, Petr van Blokland, Peter Bil’ak and Gerrit Noordzij we have some veritable institutions of Dutch design in the program. In addition to this, we also have two exhibitions of graphic design from the Netherlands set up in the in the foyer of the HKW, which shouldn’t be missed! We would like to thank the Embassy of the Netherlands for their kind support.
The Best of Dutch Book Design 
The Netherlands is well known for the high quality of its book design. This reputation comes as the result of the country’s vibrant culture of graphic design and internationally renowned designers, such as Irma Boom and Joost Grootens. The exhibition presents the thirty Best Dutch Book Designs of the past year, along with a selection of awarded books from previous years.
Means of Production 
Means of Production presents contemporary graphic design from the Netherlands that reflects the inquisitive approaches of its makers. The exhibition features works by graphic designers that question the tools and materials they use to produce their work. By coming up with experimental methods and custom machinery they push for unexpected outcomes that result in new forms and meanings. This results in a wide range of media and objects that push the boundaries of the profession and reflect upon the role of the designer. With works by Hansje van Halem, Letterproeftuin, Moniker, Karl Nawrot, Jordy van den Nieuwendijk, Our Polite Society, Bertjan Pot, Hamid Sallali and Team Thursday.
You can find more information on the exhibitions on the website of the Embassy of the Netherlands here.

© Nataša Vučković

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Hup Hup Holland!

Nach Russland und Polen im letzen Jahr sind dieses Mal die Niederlande Partnerland der TYPO Berlin: Mit Joost Grootens, Erik van Blokland, Paul van der Laan, Petr van Blokland, Peter Bil’ak und  Gerrit Noordzij haben wir einige Fixsterne des niederländischen Designs im Programm. Ebenfalls mit freundlicher Unterstützung der niederländischen Botschaft zeigen wir im Foyer des HKW zwei Ausstellungen Graphikdesign aus den Niederlanden, auf die wir TYPO Besucher noch einmal ausdrücklich hinweisen möchten:
The Best of Dutch Book Design
Die Niederlande sind für die hohe Qualität ihres Buchdesigns bekannt, nicht zuletzt durch international bekannte Designer wie Irma Boom und Joost Grootens. Die Ausstellung zeigt die dreißig besten niederländischen Buchdesigns des vergangenen Jahres, zusammen mit einer Auswahl prämierter Büchern früherer Jahre.
Means of Production
Diese Ausstellung präsentiert modernes Graphikdesign aus den Niederlanden, das die Neugier seiner Macher widerspiegelt. Sie hinterfragen die bei ihrer Arbeit verwendeten Werkzeuge und Materialien und streben unkonventionelle Werke an, die neue Formen und Bedeutungen aufweisen. So entsteht ein breites Spektrum von Medien und Objekten, die die Grenzen der Profession erweitern und zum Nachdenken über die Rolle des Designers anregen.
Im Rahmen der Ausstellung werden Arbeiten von Hansje van Halem, Letterproeftuin, LUST, Karl Nawrot, Jordy van den Nieuwendijk, Our Polite Society, Bertjan Pot, Hamid Sallali, Team Thursday und anderen gezeigt
Weitere Informationen zu den Ausstellungen finden sich hier.

© Nataša Vučković

Foto © Sebastian Weiß

Sascha Lobe: From ABC to CD

17. Mai 2014

Sascha Lobe, Gründer und Kopf des Kreativstudios L2M3 und Dozent an der HfG Offenbach mit Studienschwerpunkt Typografie sprach heute Mittag über seine Arbeit an der neuen visuellen Identität des Bauhaus-Archives Berlin.

Sascha Lobe: From ABC to CD

Foto © Sebastian Weiß

Sascha Lobe, Gründer und Kopf des Kreativstudios L2M3 und Dozent an der HfG Offenbach mit Studienschwerpunkt Typografie sprach heute Mittag über seine Arbeit an der neuen visuellen Identität des Bauhaus-Archives Berlin. Das Gebäude des Bauhaus-Archives wurde von Martin-Gropius entworfen und eröffnete 1976. Sascha Lobe sieht seine Roots im Bauhaus Design aber trotzdem ist es ihm wichtig, vorhandene Klischees zu hinterfragen wie »form follows function« oder »less is more« – ist das wirklich so?

So stöbert er für seine Arbeit im Archiv der Bauhaus-Grössen wie Joost Schmidt, Kandinsky, Johannes Itten und Alfred Arndt. Aus diesen Einflüssen übernimmt er den spielerischen Umgang mit geometrischen Formen. Und auch den Spirit mal ohne Vorbedachtes loszulegen und dabei eine gewisse Nervosität zuzulassen. Sein prägendste Figur ist Herbert Bayer, welcher bei der Schrift Universal Majuskeln und Minuskeln auf nur ein Alphabet reduzierte. 1968 erfand dieser den Schriftzug für die erste Ausstellung des Archives. Aus diesem Schriftzug entwickelt Sascha Lobe eine neue Schrift mit zwei Schriftschnitten, die den alten Schriftzug mit einer neuen Zeile »museum für Gestaltung« ergänzen. 20 Monate lang ging die Arbeit an der neuen visuellen Identität des Bauhaus-Archives. Aus einem Verschnitt aus konventionellen und unkonventionellen Glyphen ist ein fiktionales Archiv entstanden.

Wichtig war es ihm den Spirit aufzugreifen und die Geschichte des alten Erscheinungsbildes zu erhalten. So ist ein riesiges Archiv aus Formschätzen entstanden, woraus für die Erstellung von Plakaten, der Signaletik und Ausstellungskatalogen geschöpft werden kann. Wichtiges Anliegen ist dabei immer das Gesamtgefühl der Ausstellung im Design auszudrücken. Zusätzlich entstehen spielerische Typoplakate. Es ist ein Projekt im Werden welches hier auf dem Blog verfolgt werden kann: saschalobe.tumblr.com.

Text: Christiana Teufel, slanted

© Sebastian Weiß

Ulrike Damm: Wie sieht Sprache aus?

16. Mai 2014

Designerin Ulrike Damm beschäftigt sich vor allem mit freien Kulturprojekten. Mit Studentengruppen in verschiedenen Ländern hat sie acht Sprachen analysiert und dafür – über Ländergrenzen hinweg verblüffend einheitliche – Bilder gefunden. Zu Anfang sagt sie erst mal gar nichts.

Ulrike Damm: Wie sieht Sprache aus?

© Sebastian Weiß

Designerin Ulrike Damm beschäftigt sich vor allem mit freien Kulturprojekten. Mit Studentengruppen in verschiedenen Ländern hat sie acht Sprachen analysiert und dafür – über Ländergrenzen hinweg verblüffend einheitliche – Bilder gefunden. Zu Anfang sagt sie erst mal gar nichts.

Wir hören Chinesisch vom Band, einen relativ langen, offenbar vorgelesenen Text.

„Man kann sich auch Sprachen annähern, wenn man sie nicht beherrscht.“

Dass das eine Art Resümee ist, stellt sich erst später heraus. Als nächstes ertönt Finnisch. Dann eine Sequenz in einer (mir auch vom Klang her) unbekannten Sprache. „Sie können sich nicht vorstellen, wie oft wir diese Sprachen gehört haben,“ berichtet Ulrike Damm. Den Klang unserer eigenen Sprache können wir eigentlich nicht beurteilen; wir können nicht hören, wie unsere Sprache klingt: „Für Italiener ist es so, als würden die Deutschen den ganzen Tag schimpfen.“ Für uns natürlich nicht. Damm hat mit acht Muttersprachlern Aufnahmen des gleichen Textes in deren Sprachen erstellt und diese Aufnahmen zunächst phonetisch analysiert. Schnell stellte sich heraus, dass man den Klang eigentlich nur hören kann, wenn man sich gänzlich frei macht vom Inhalt. Oder sowieso gänzlich unbeeinflusst davon ist, weil man nichts versteht. Außerdem spielt eine große Rolle, welche „Klangmusik“ uns mit unserer eigenen Sprache, in der wir leben, umgibt. Das beeinflusst natürlich auch, wie wir eine andere Sprache wahrnehmen.

Warum ist das alles überhaupt interessant?

„Wir sind keine Wissenschaftler – aber wir sind Designer. Sind wir in der Lage, den Klang der jeweiligen Sprache zu visualisieren und Bilder dafür zu finden?“ Das untersuchte Damm erst in Russland mit Design-Studenten, dann in Deutschland (Dessau). Mit den jeweiligen Gruppen hat sie vor Ort Chinesisch angehört und erste einfache Fragen geklärt.

Die Distanz verlieren

Die Russen waren zunächst schüchtern in der Beantwortung. Sie haben sich kaum getraut, das Chinesische nachzumachen. Ulrike Damm führt uns das umso freudiger und sehr gekonnt vor. Daraufhin haben sich – kein Wunder – auch die Russen getraut. Wer hat nicht als Kind zum Beispiel Französisch zu intonieren versucht und sich über den Klang amüsiert? Was sind das für witzige Geräusche? Wie machen die das überhuapt? Ob englisches „th“ oder die spanischen Zischlaute: Jede Sprache hat ihre klanglichen Spezifika. Durch das Nachahmen verstehen wir, „was die da machen mit ihrem Mund“. So ging es dann auch Ulrike Damms Studentengruppen, als sie das Chinesische klanglich nachahmten. Der schöne Effekt: „Die Distanz geht verloren.“ Das Fremde und das Befremden verlieren sich.

Wenn sich die ganze Gruppe einer Erkenntnis sicher war, hat Damm das als Ergebnis festgehalten. Die experimentellen Schritte gingen weiter damit, Formen für die Sprachen zu finden, diese Formen auf einer Linie anzuordnen, also für jede Sprache eine Art Notenlinie zu beschreiben. Verblüffenderwiese traten in den Linien der deutschen und der russischen Studentengruppe sehr ähnliche Formen für die gleichen Srpachen auf – obwohl die Gruppen natürlich separat und weit voneinander entfernt arbeiteten. So entstand beim Finnischen zum Beispiel „immer dieses Abgebrochene“. Das ist auf unterschiedliche Weise immer ähnlich angekommen bei den aufmerkam dem Klang Lauschenden.

Und dann das Deutsche

„Man muss da schon sehr stark sein“, fasst Damm ihre ganz persönlichen Erfahrungen zusammen, „also ich habe da schon mal gesagt, ,nein, das ist nicht so, nicht, das können Sie so nicht machen‘!“ Und wieder kommen ihre ausdrucksstarke Mimik und ihre Freude daran zur Geltung.

Als nächstes – und auch hier musste sie tapfer sein, als Deutsche und als kulturell offene Person – wurden für die Sprachklänge Begriffe gefunden. Da gab es das Symphonieorchester für das Deutsche, den Volkstanz für den Klang von Spanisch, das Streichquartett als Allegorie für Chinesisch, das Bild des Straßenmusikanten für Französisch. Inwieweit kulturelles Vorwissen oder auch Vorurteile hier eine Rolle spielen, sei dahingestellt, war zum Teil allerdings sehr offensichtlich – so auch darin, wie die Deutschen in Dessau (geprägt von Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern?) dem Russischen etwas Bedrohliches zuschrieben und sich davon auch nicht abbringen ließen. Sie konnten diese Vorstellung oder dieses Bild („dass da jemand im Busch sitzt“) nicht von ihrem Klangempfinden trennen.

Die Suche nach den Farben erwies sich als unbelasteter und im Ergebnis verblüffender: So wählten die beiden Gruppen nahezu identische Farben für die untersuchte Sprache aus, in dem Fall für Chinesisch. Auch die Collagen aus Farben und Formen glichen sich sehr. Beim „visuellen Kulturvergleich“ (Damm greift den Begriff aus Indra Kupferschmids Vorrede auf) zeigt sich das Deutsche in Form säuberlich angeordneter Rechtecke: „Ich stehe dazu“, so Damm, „wir sind ja in der ganzen Welt angesehen auch wegen dem“.

Der vorgelesene Testtext übrigens stammt von Dostojewski, einem ihrer Lieblingsautoren; es ist der letzte Abschnitt aus „Der Spieler“. Doch „wir reden nicht über Länder, wir reden über Sprachen,“ schärfte Damm den Studierenden ein, „denkt jetzt nicht an Putin!“ Das erwies sich als sehr schwer: „Man hört ja doch immer das Wissen mit, die Vorurteile – versuchen Sie mal, nur zu HÖREN.“

Manchmal ist besser, man weiß weniger

Ulrike Damms Erfahrung mit diesem Sprachprojekt: „Es ist schwer, wenn man etwas weiß, davon Abstand zu nehmen und etwas ganz Neues zu entwickeln“. Bei Arabisch sieht man in den Klangbildern Sand und fast erwartungsgemäß schnörkelige Ornamente. Klingt die Sprache wirklich so oder visualisieren wir da unsere Vorstellungen von der jeweiligen Kultur? (Interessantes Wort übrigens, „Vor-Stellungen“.)

Die Bilder seien natürlich kein Urteil über eine Sprache (oder gar eine Kultur), betont Damm. Wichtig ist ihr die Methode, sind ihr nicht die Bilder. Es geht hier nicht um Bewertungen. Deshalb macht sie Witze über die Bilder, möchte Leichtigkeit in der Betrachtung. Dennoch verblüffend: das einhellig viele Gelb für das Spanische sowohl von der deutschen als auch der russischen Gruppe. Das freie Gewirbel in der Visualisierung von Französisch, ebenfalls  bei beiden Gruppen.

Als nächstes wählen die Studierenden aus einer großen Sammlung von Begriffen jeweils fünf für eine Sprache aus. Hier wird es (fast erwartungsgemäß) wieder vorgeprägter, klischierter. Und doch gibt es Überraschungen – eine besonders schöne übrigens bei den fünf Begriffen für das Deutsche, von der russischen Gruppe ausgewählt: eindrucksvoll, rhythmisch, stark, hart – und schön. „Das Deutsche klingt so“, sagten die Russen.

Vielschichtig und beunruhigend

Das Russische wurde von der Dessauer Gruppe mit folgenden Begriffen belegt: weich, vielschichtig, beunruhigend (!), schwermütig, wohlklingend. Viel Stoff für Diskussion. Das Hauptanliegen war Damm die Auseinandersetzung: „Wir reden über Sprache. Wir versuchen zu verstehen, etwas für uns neues, eine Öffnung herzustellen. Deshalb habe ich gesagt, ich halte es aus, alles“ – auch wenn sie zwischendurch, wie sie lachend zugibt, „eigentlich beleidigt“ war. Vielleicht sind ja auch Spanier beleidigt, wann man den Klang ihrer Sprache als „kompliziert“ oder „hastig“ empfindet?

Am Ende der Workshops war überhaupt niemand beleidigt. Ganz im Gegenteil. Die Teilnehmer machten die Erfahrung: Ich liebe alle Sprachen! Am Anfang hatten sie sich durchaus gefragt: Warum soll ich Arabisch hören, ich habe doch gar nichts damit zu tun … und dann diese fundamentale Offenheit. Es kamen begeisterte Berichte darüber, so Ulrike Damm, dass etwa in der U-Bahn ein Finne saß, dem man begeistert gelauscht habe.

Ihr Fazit: „Als Designer können wir Dinge erschließen – so dass auf einmal so eine Aussage kommt“. Für sie ist das „Toleranzerziehung“, „Öffnung“. Als nächstes geht sie nach Frankreich und eröffnet den französischen Teilnehmern neue Hörerfahrungen. Nach Abschluss ihres Sprachprojekts möchte sie dazu eine Ausstellung machen – vielleicht ja auf einer kommenden TYPO.

Um so könnte man den Satz vom Anfang auch umdenken wie folgt: „Man kann sich auch anderen Menschen (Kulturen,  Völkern, …) annähern, wenn man sie nicht beherrscht“.

 

Sonja Knecht ist Director Text bei Edenspiekermann.