David Carson mit einer Typo-Besucherin aus der Ukraine…

Zum Schluss gibt David Carson uns mit auf den Weg, Passion bedeute einen Job zu haben, den man zur Not auch Umsonst machen würde. Vorher haben wir erlebt, dass es gar nicht so einfach ist, innerhalb einer Powerpoint-Präsentation ein Videoslide ablaufen zu lassen. Und dass es fragwürdig ist, einen Supermarkt im Mittelwesten Kum and Go zu nennen. Oder dem Weihnachtsmann einen Socken mit Tarnmuster an den Kamin zu pinnen.
Carson, der Godfather of Grunge und Zerhacker der Schriften und Bilder, der in Ray Gun schon mal langweilige Texte komplett in Dingbats gesetzt hat, nimmt uns mit auf eine Point-and-Shoot-Weltreise. Er besucht mit uns sein Haus in der Karibik, wo er surft und zum Unwillen des Nachbarn Tiki-Götterstatuetten in Heimarbeit bemalt. Er zeigt uns einen Brief, den er an seine getrennt von ihm lebende kleine Tochter Luci schickt, mit einer Yoda-Briefmarke verziert. Das Publikum glaubt manchmal auch, eher dem Jedi-Meister zu lauschen, als einer Designlegende. David mischt Bilder von verblichenen Drive-Thru-Schnapslädenschildern in Wyoming, verrosteten Chevy-Trucks am Strassenrand, unscharfen Flugbegleiterinnen mit einem mit Schnullern behägten Baum in Schweden. Immer wieder unterbrochen von nackten Frauen, mit und ohne Weinflaschen im Bild. Bei einem zerbröselten Ford-Schild wundert er sich, dass dieses sofort als solches aus dem Publikum identifiziert wird. Ford reimt sich halt mit The Lord, dem Herrn.
Als David mit Powerpoint ringt haben wir die Chance, einen Blick auf seinen unaufgeräumten Desktop zu werfen. Spontaner Applaus setzt ein, aber das Publikum bleibt nach Carsons Auftritt verwirrt zurück. Immerhin haben wir gelernt was man mit den Kisten voller Dias anfangen kann, die jetzt überall herumliegen. Einfach direkt vors Objektiv halten, und als Farbeffektfolie verwenden.

Analog/Digitaler Grunge pur.