Die Gestaltung der Schriftarten beschäftigt den erfahrenen Editorial Designer Roger Black bereits seit seiner typografischen Arbeit für Rolling Stone Magazin und Newsweek. Mit dem Eintritt ins Internetzeitalter hoffte er, dass nicht die graphische Monotonie Einzug hält. Sollte das Web in Times New Roman stattfinden? Die anfängliche Erwartung der Gestalter an die Leser „They just want ro read“ ändert sich zum Glück kontinuierlich. In Zeiten der digitalen Lektüre auf Geräten wie dem Amazon Kindle und dem Sony Reader rückt der Texaner die digitale Umsetzung zur Darstellung der Schriftzeichen in den Fokus der Gestalter.

Black widmet sich in seinem Vortrag exemplarisch den Nachrichtensites. Es geht ihm dabei um den Mensch in seinem Alltag, der viel im Internet liest. Und entscheidend für die freudvolle Lektüre ist die Lesbarkeit der Texte. Auflösung und Größe der Schriftart sowie die Räume zwischen den Buchstaben sind die wesentlichen Kriterien, die sein Lesen beeinflussen. Der Typograph erläutert auch die Chancen der Navigation am Beispiel der Website der New York Times und des Online-Magazins flypmedia.com. Das Umblättern der Zeitungsseiten wird hier digital nachvollzogen und damit der haptischen Erfahrung mit der papiernen Version entlehnt. Das benutzerfreundliche Scrollen über eine zusammenhängende Seite, auf der man sich in verschiedene Richtungen orientieren kann, verstärkt diesen Eindruck der analogen Zeitungslektüre. Black zeigt damit eine Variation des Lesens der Zukunft.

„Das wird nicht lustig“, hatte Roger Black, der gerade die Washington Post relauncht, vor Beginn gewarnt. Doch das allzu Technische illustrierte der erfahrene Praktiker in seiner selbsternannten „working session“ an prägnanten Beispielen, so dass niemand verfrüht den Saal verlässt. Eine spannende Einordnung aktueller Entwicklungen und möglicher Zukunftstrends angesichts der Mobilisierung der Endverbrauchergeräte.

Ulrike Dimitz